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 Betreff: SDU und Aggression?
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: So 20. Jan 2019, 14:58 
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Ob eine SDU in Verbindung mit Aggression steht ist heftig umstritten. Es gibt sowohl Befürworter als auch Gegner. Beide Gruppen berufen sich auf Studien / Untersuchungen.

Befürworter….
… sind z. B. Dodmann, Dodds, Dramard.
Dramard verweist auf Erfahrungen als auch auf die Untersuchungen von Donas. Sie unterscheidet zwischen verschiedenen Arten der Aggression, also erlernte, ressourcenbezogene, überforderungsbedingte, schmerzbedingte etc.
Niemand / Suter (Praktikum der Hundeklinik, 1989) bezeichnen Aggression sogar als klassisches Symptom einer SDU.
Die meisten Studien / Untersuchungen, auf die sich diese Gruppe bezieht, sind so aufgebaut, dass durch die Substitution die Aggressionen (i.V.m. Training) verschwanden. Dodmann führt z. B. eine Untersuchung durch, bei der sich besitzerbezogene Aggression bei Hunden mit subklinischer SDU durch Substitution reduzierte.
Kritisiert wird an den Studien z. B., dass die SDU nicht eindeutig nachgewiesen wurde oder das Langzeituntersuchungen fehlen. Des Weiteren kann anhand der Studien nicht gefolgert werden, dass alleine die Substitution eine Verhaltensbesserung bewirkte, da stets auch ein begleitendes Training stattfand.

Gegner….
… ist z. B. Scott-Moncrieff. Sie bezieht sich auf Studien, in denen z. B. aggressive Hunde substituiert wurden und die Aggression sich nicht veränderte.
Radosta vergleicht die SD-Werte von Hunden, die gegen Familienmitglieder aggressiv waren mit jenen, die nicht aggressiv waren. Einen signifikanten Unterschied findet sie nicht.
Kritik an diesen Studien ist z. B., dass nicht davon auszugehen ist, dass jegliche Aggression SDU-bedingt ist.

Serotonin
Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Serotonin-System und (Dominanz-)Aggression. Das Vorhandensein eines spezieller Serotonin-Rezeptor (serotonin (5-HT) 2A receptor) wurde beim Hund als sicheres Indiz für Aggression und Ängstlichkeit identifiziert.
SD-Hormone beeinflussen die Serotonin-Konzentration im Blut und in verschiedenen Gehirnregionen sowie den Serotonin-Umsatz im Gehirn.
TRH stimuliert die Serotonin-Freisetzung.
Serotonin beeinflusst jedoch auch die TRH-Konzentration.

Prolaktin
Prolaktin steht in Zusammenhang mit der Aggression von Mutterhündinnen. Auch bei der Scheinträchtigkeit stehen erhöhte Prolaktinwerte in Zusammenhang mit Aggression.
Prolaktin wird ebenfalls durch SD-Hormone beeinflusst. TRH stimuliert die Genexpression sowie die Freisetzung von Prolaktin in Abhängigkeit der vorhandenen Blutwerte.
Die Prolaktin-Freisetzung wird auch durch Serotonin und seine Vorläufer stimuliert. Häufig zeigen Individuen, die nur gering auf die Serotoninstimulation reagieren höhere Anzeichen von Aggression als jene, bei denen eine deutliche Prolaktin-Freisetzung erfolgt.
Bei Frauen mit SDU wurden erhöhte Prolaktin- und TSH-Werte festgestellt.
TRH stimuliert die Prolaktin-Freisetzung.

Da unter Substitution TRH / TSH aufgrund der Substitution herunterreguliert wird, wäre zu erwarten, dass hierdurch auch die Prolaktin und Serotonin-Konzentrationen sinken.

Studie
In einer kürzlich veröffentlichten Studie von Hrovat et al. (Quelle siehe unten) wurden Verhaltensänderungen sowie die Serotonin- und Prolaktin-Konzentrationen von 20 Hunden mit SDU vor und während der Substitution untersucht.
(Der im Studientitel verwendete Begriff „spontaneous hypothyroidism“ verweist darauf, dass es keine anderen Einflüsse (wie Jodmangel) gibt. I.d.R. handelt es sich also um eine autoimmune SDU.)
Ziel der Studie war es Verhaltensänderungen bei substituierten Hunden zu ermitteln sowie die Veränderungen von Serotonin und Prolaktin unter Substitution zu erfassen.
Hierzu wurde 20 Hunde untersucht, die mittels der Blutwerte (T4 / TSH) oder ggf. durch TSH-Stimulationstest oder Szintigrafie als hypothyreot identifiziert wurden.
Die Hunde wiesen zu Beginn der Studie keine Verhaltensprobleme auf und hatten keine erhöhten Serotonin- oder Prolaktin-Werte.
Das Verhalten wurde hierbei durch online-Fragebögen durch die Besitzer bewertet (C-BARQ). Eine Beurteilung des Verhaltens durch Verhaltenstherapeuten fand nicht statt.
Die Werte (Verhaltensscore, Blutwerte) wurden verglichen mit den Werten vor der Substitution, 6 Wochen sowie 6 Monate unter der Substitution.

Ergebnisse
Die Ergebnisse sind ernüchternd:
Nur in einem von insgesamt 7 Verhaltensbereichen (nämlich der Aktivität) ergab sich nach 6 Wochen eine signifikante Verbesserung. Diese war nach 6 Monaten jedoch nicht mehr nachweisbar. Bei allen anderen Verhaltensbereichen ergaben sich keine Veränderungen.
Bei den Serotonin- und Prolaktinwerten ergaben sich keinerlei Veränderungen.

Allerdings werden in der Studie auch deren Schwachstellen aufgezeigt, u.a.
• es gibt keine Kontrollgruppe,
• die Verhaltensbewertung erfolgt ausschließlich durch die Halter (und ist daher per se kritisch zu sehen),
• da die Hunde keine Verhaltensprobleme hatten, ist auch nicht damit zu rechnen, dass sich Verhalten verbessert,
• der verwendete C-BARQ-Test ist evtl. nicht hinreichend sensibel, um kleine Verhaltensänderungen zu erfassen,
• die anfänglichen Serotonin- und Prolaktinwerte waren nicht auffällig verändert.
Der Aussage in der Studie „Our study contributes important insight into the role of thyroid hormone supplementation on behavior in dogs.“ (Etwa: Unsere Studie liefert wichtige Erkenntnisse zum Einfluß der Substitution auf das Verhalten) kann ich somit nicht wirklich folgen.
Die Autoren haben allerdings auch eine Reihe von weiteren erforderlichen Untersuchungen zusammengestellt und weisen darauf hin, dass die Ergebnisse bei Hunden, die im Vorfeld erhöhte Reizbarkeit / Aggressionen zeigen, evtl. anders sein könnten.

Autoantikörper
In der Studie wird erwähnt, dass es Studien gibt, die einen Zusammenhang aufzeigen zwischen SD-AK und
• dem psychischen Wohlbefinden / dem Verhalten (z. B. Radosta)
• der individuellen Reaktion auf eine Substitution.
Es wird allerdings auch darauf verwiesen, dass die vorhandenen Studien zu diesen Themen zu sehr widersprüchlichen Ergebnissen kommen, also weitere Studien erforderlich sind.


Quelle: Alenka Hrovat, Tiny De Keuster, Hans S. Kooistra, Luc Duchateau, Mark A. Oyama, Kathelijne Peremans, Sylvie Daminet: Behavior in dogs with spontaneous hypothyroidism during treatment with levothyroxine. Journal of Veterinary Internal Medicine. 2019

Hinweise zu folgenden Themen finden sich in B. Zimmermann: Dr. Jekyll & Mr. Hund. Stuttgart: Thieme; 2018:
• Zusammenhang Aggression und SDU
• Studie von Radosta
• Studie von Dodmann
• Untersuchung von Donas
• Untersuchungen von Dodds
• Serotonin, Prolaktin in Bezug zur SD
• Verhaltensbeurteilung durch den Besitzer

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Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
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