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Was sagen mir die Blutwerte?
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Autor:  BeaSin [ Fr 5. Jan 2018, 23:37 ]
Betreff:  Was sagen mir die Blutwerte?

Hi
Wahrendorf hat in ihrer Untersuchung 2011 den Zusammenhang zwischen niedrigen SD-Werten und Verhalten untersucht. Sie konnte keinen Zusammenhang feststellen.
In der Untersuchung wurden nur Hunde aufgenommen, die keine NTI oder bekannte Schilddrüsenunterfunktion hatten (ungestörtes Allgemeinbefinden) und keine Medis bekamen, die den T4-Wert senken.
Sie stellte fest, dass rund 70 % der Hunde T4-Werte im unteren Drittel hatten, 6 im mittleren Drittel, keiner im oberen Drittel oder über dem oberen Referenzwert. Erwartungsgemäß hätte das gros der Hunde sich im mittleren Drittel befinden müssen. Sie schlussfolgerte daraus, dass die Referenzbereiche zu hoch angesetzt sind.
Das Ergebnis fand ich schon immer merkwürdig und habe mir heute die Daten (T4 / TSH / TAK) im Detail angeschaut. Wirklich schlauer bin ich allerdings momentan noch nicht. Neben falschen Referenzwerten kommen ja auch systematische Fehler in Betracht. Wenn da jemand eine Idee hat?
Da immer wieder die Meinung vertreten wird, pos. TAK / Werte im unteren Drittel / TSH-Werte > 0,1 seien ein Indiz für eine Schilddrüsenunterfunktion nachfolgend die Analyse von den 103 zufällig ausgesuchten und als nicht SD-krank bekannten Hunden der Studie (von einem Hund wurde der TAK nicht bestimmt):
(Vorsicht, wird jetzt erstmal langweilig):
    T4: 6 % Hunde im mittleren Bereich / 68 % im unteren Drittel / 26 % unter Referenzbereich
    TSH: 5 % über Referenzbereich (0,6) / 56 % im Bereich zw. 0,1 und 0,6 / 39 % kleiner oder gleich 0,1
    TAK positiv: 7 (rd. 7 %)
33 % der Hunde könnte man „irgendwie“ als SD-krank einstufen. Zu erwarten wären in Deutschland < 10 % (Angaben schwanken, 10 % ist allerdings extrem hoch gegriffen). „Irgendwie krank“ heißt:
  • Nur T4 unter Ref.-Bereich: 68 %
  • Nur TSH hoch: 6 %
  • TSH hoch und T4 niedrig: 6 %
  • Nur TAK: 15 % (5 Hunde)
  • T4 niedrig und TAK: 3 %
  • TSH hoch / T4 niedrig und TAK: 3 %
Von den 7 % TAK positiven Hunden waren nur 2 in der Gruppe „T4+TAK“ oder „TSH/T4 + TAK“.
Für die 6 Hunde im mittleren Drittel von T4:
  • Keiner TAK
  • 2/3 TSH-Werte im Bereich zwischen 0,1 und 0,6
Für die Hunde im unteren Drittel von T4 ergibt sich (bezogen auf die Gesamtzahl von 70):
  • Nur TSH hoch: 3 %
  • Nur TAK positiv: 7 %
  • TAK und TSH: 0 %

Was will uns das sagen?
Unter der Voraussetzung, dass die statistische Basis stimmt (also nicht zufällig nur Hunde dabei sind, die gerade eine Schilddrüsenunterfunktion ausbrüten und keine systematischen Fehler dabei sind) heißt das:
  • Die Referenzwerte sind fragwürdig
  • Die Interpretation von TSH > 0,1 = Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion ist fragwürdig
  • Die Interpretation von TAK positiv = Schilddrüsenunterfunktion ist fragwürdig.
Selbst wenn man einen systematischen Fehler unterstellt, kann dieser Fehler in den Laboren oder der Probennahme / -aufbereitung ebenso statt finden. Ändert also nicht wesentlich was an der Aussage.
Nun wird sicher der ein oder andere anführen, dass man ja bitte auch das Verhalten als Symptom bezeichnen kann. Das ist sicher richtig. Nur ist Verhalten ein sehr subjektiver Begriff.(Dehasse hat sich da mal sehr schön drüber ausgelassen – wenn mir jemand sagt, wie ich auf meiner Festplatte in Dokumenten suchen kann, finde ich das auch wieder….Früher konnte ich das (suchen in Dokumenten) mal – soifz…).Nicht alles, was als „Problemverhalten“ beschrieben wird ist eins. Und nicht jedes Problemverhalten ist auf die SD zurückzuführen.
Und bevor sich jetzt all jene die Hände reiben und sagen: „Hab ichs doch gewusst! Alles nur Gedöns und unfähig, den Hund zu erziehen!!“ – es gibt mehr als genug Beispiele (und Untersuchungen), bei denen Hunde im unteren Drittel des Referenzbereiches von T4 nach Substitution gravierende nachhaltige Verhaltensbesserungen hatten, die bei Ausschleichen der Dosis wieder zurückkehrten oder bei denen klinische Symptome vorlagen.
Auf was ich hiermit aufmerksam machen möchte ist, dass die Kombination Verhaltensprobleme und T4 im unteren Drittel und / oder TAK positiv und / oder TSH hoch vorschnell als Zeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion gewertet werden (zur übereifrigen Interpretation von T3-/T4-AK habe ich hier schon was gesagt). Auch T4-Werte unter dem Referenzbereich zeigen nicht unbedingt eine Schilddrüsenunterfunktion an.
Je weniger Infos man hat (oder zur Kenntnis nimmt), desto weniger aussagekräftig sind die Analysenwerte.
Letztendlich gilt auch hier (auch wenn man das ungerne hört): wer misst, misst Mist. Wer viel misst, misst viel Mist.

Noch ein Wort an die C&P-Helden (markieren und einfügen): nichts dagegen, den Beitrag wo anders zu diskutieren. Nur bin ich von Natur aus neugierig und möchte wissen, ob sich in anderen Foren erhellende Aussagen, begründete Widersprüche zu den Daten etc. ergeben haben. Der Text kann gerne auch als Gast hier diskutiert werden. Bitte kopiert daher dann auch diesen Absatz mit ein.

LG Bea

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