Hundefreunde Community Yorkie-RG

Herzlich willkommen in der Hundecommunity von Yorkie-rg.net
Aktuelle Zeit: So 25. Aug 2019, 19:57


Alle Zeiten sind UTC [ Sommerzeit ]


Forumsregeln


Die Forumsregeln lesen



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
Autor Nachricht
 Betreff: Jod und Gesundheit
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: Mo 29. Jul 2019, 19:22 
Offline
Moderatorin
Moderator|Moderator|Moderatorin
Benutzeravatar

Registriert: Do 25. Nov 2004, 00:33
Beiträge: 4400
Themen: 597
Bilder: 33
Wohnort: Hessen
Geschlecht: Weiblich
Nationalität: Deutschland
Hunderasse/n: Westerwälder Mix + Australien Shepherd
Von manchen Hundehaltern mit SDU-Hunden hört man hin und wieder Aussagen wie:
• mein Hund verträgt kein Jod
• mein Hund hat eine Jodallergie
Beides mit dem Effekt, dass diesem Hund kein Jod zugefüttert wird.
Oder Aussagen wie:
• Jod triggert die SD-AK – wirkt sich somit entzündungssteigernd aus, beeinflusst das Verhalten negativ und erfordert eine Dosiserhöhung
• Jod sollte daher bei einer SDU nicht zugeführt werden (oder zumindest am Anfang der Substitution nicht….)
Wie sind diese Aussagen wissenschaftlich einzustufen?

Jodallergie / Jodunverträglichkeit
Jod ist ein essentielles Spurenelement. Das heißt, es ist für Stoffwechselvorgänge erforderlich und muss daher regelmäßig zugeführt werden. Jodallergien sind physiologische ungefähr so sinnvoll wie eine Sauerstoffallergie. Aber ähnlich wie bei Sauerstoff (und nahezu allen Elementen) kann ein zu viel an Jod schädlich sein (dazu siehe weiter unten).
Jod ist ein Element, daher sehr klein und kann als Antigen (also als Angriffspunkt für Antikörper) nicht wirksam sein. Ist Jod jedoch an Proteine gebunden, kann diese Verbindung durchaus als Antigen wirken und Allergien auslösen. Allerdings nur eben diese Proteinverbindung (oder bestenfalls chemisch ähnliche).
Die Entstehung des Begriffs „Jodallergie“ ist historisch. Früher wurden Wunden großzügig mit Jodsalben und -tinkturen behandelt. Irgendwann stellte man fest, dass manche Menschen mit typischen Allergiesymptomen auf die Behandlung reagierten und fasste diese und alle möglichen anderen Auffälligkeiten in Verbindung mit Jod unter „Jodallergie“ zusammen. Der Begriff „Jodallergie“ setzte sich in der Bevölkerung fest und wurde zum Teil in der Medizin beibehalten –der einfacheren Kommunikation mit den Patienten wegen.
Dass der Begriff „Jodallergie“ nicht ausstirbt, ist auch Trivialtexten in den Medien geschuldet. Als Negativbeispiel sei hier ein Artikel in Focus-online, März 2018 erwähnt, der bestenfalls Plattitüden wieder gibt, im schlimmsten Fall aber gesundheitlich bedrohliche Ratschläge:
Zitat:
„Wenn bei Ihnen eine Jodallergie bereits festgestellt wurde, verzichten Sie konsequent auf alle Produkte, die Jod enthalten können. Das sorgt in den meisten Fällen bereits dafür, dass die Symptome verschwinden.“

In der Medizin unterscheidet man jedoch zwischen den verschiedenen tatsächlichen Ursachen.
In vielen Fällen vermuteter Jodallergie wurden andere Faktoren als Allergieauslöser erkannt. Bei Fisch z. B. u.a. Parvalbumin, bei Seealgen ein Pigment der Algen. Treten nach jodhaltigen Wundbehandlungen Allergien auf, bedeutet dies nicht, dass der Mensch auch auf jodhaltige Kontrastmittel zur SD-Untersuchung reagiert. Zum Thema Jod bei Wundbehandlungen siehe [1].
Grundsätzlich ist also zu differenzieren, in welcher Verbindung Jod eine Allergie auslöst.
Explizite wird hervorgehoben, dass bisher noch keine unmittelbare oder verzögerte allergische Reaktion auf eine Substitution mit T3 und / oder T4 beobachtet wurde. Bei einer tatsächlichen „Jodallergie“ müsste dies jedoch der Fall sein, da im Rahmen des Hormonabbaus verschiedene Jodverbindungen im Stoffwechsel auftreten, die dann zu entsprechenden Reaktionen (u.a. Anstieg von AK) führen müssten. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Jod und SD(U)
Bei Jod im Überfluss können negative Auswirkungen entstehen.
Wird zu viel Jod aufgenommen, blockiert die SD vorübergehend die Jodaufnahme und die Ausschüttung der Hormone (Wolff-Chaikoff-Effekt und Plummer-Effekt, Details siehe [1]).
In Einzelfällen kann sich daraus eine SDU entwickeln (s. unten).
Neben einer längeren Jod-Überdosierung kann auch eine zu niedrige Jodversorgung oder eine zu niedrige Jodversorgung mit anschließender ausreichender Jodversorgung zu einer SDU führen.
Die Jodaufnahme erfolgt im wesentlich durch
• Nahrung
• Nahrungsergänzungsmittel
• Medikamente.
Im Veterinärbereich dürften die wesentlichen Jodschwankungen aus der Fütterung, inkl. Nahrungsergänzungsmitteln, resultieren. (Details s. [1]).

Jod bei SDU
In keinem Fachtext findet sich ein Hinweis darauf, dass bei einer SDU die Jodzufuhr unterhalb des normalen Niveaus gesenkt werden sollte.
Allerdings wird (wie auch bei SD-Gesunden) vor der Aufnahme exzessiver Jodmengen gewarnt.

Jod und Antikörper
Nahezu alle Studien und Fachartikel, die sich mit den Themen AK und SD befassen, wurden bezogen auf den Humanbereich erstellt. Einige Studien wurden an genetisch veränderten Labortieren oder an Zellkulturen durchgeführt. Das Thema ist ziemlich komplex und wird daher hier nur sehr vereinfacht dargestellt.
Eine Übertragung auf den Hund und eine entsprechende Beurteilung ist schwierig, da der Hund eine andere Jodstoffwechselaktivität als der Mensch besitzt.
In Leider nach wie vor unklar: Warum hilft Selen bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse? ist zu lesen:
Zitat:
„Die Antigenität von Schilddrüsen-Autoantigenen (Thyreoglobulin und TPO) steigt nach einer Iod-Exposition an; Selen kann dem entgegenwirken.“

Hinter diesem lapidaren Satz stecken zahlreiche Studien und Fachartikel. Sieht man sich diese im Detail an, ergeben sich Randbedingungen, die in der zitierten Aussage (und dem Kontext) nicht erwähnt wurden:
• Die Studien beschäftigen sich vorwiegend mit der Entstehung einer jodinduzierten SDU.
• Es wird i.d.R. eine exzessive Jodzufuhr betrachtet.
• Die Studien, die hinsichtlich normale Jodzufuhr stattfanden, fand entweder an genet. veränderten Labortieren (quasi Tiere mit genet. Disposition für SDU) statt oder als Langzeitstudien an (relativ kleinen) Kollektiven von Patienten mit Hinweisen auf SDU, Vorliegen von SD-AK o.ä. im Vergleich zu unbelasteten Personen.
In der Summe scheint sich folgende (sehr stark vereinfacht dargestellte) Sichtweise durchzusetzen:
Der Jodbedarf ist individuell stark unterschiedlich und kann von den allgemeinen Empfehlungen stark abweichen.
Bei exzessiver Jodzufuhr (bezogen auf den individuellen Bedarf) wird Jod (nach Aufhebung des Wolff-Chaikoff-Effekts) in die SD eingelagert. Dort verbindet sich Jod mit Thyreoglobulin (TG) und führt quasi zu einer Übersättigung von TG mit Jod. Hierdurch ändern sich Gewicht, Form und Stabilität des TG – also die chemischen Eigenschaften.
Offtopic:
Wichtige Anmerkung: TG besitzt verschiedene „Zonen“, mit unterschiedlichen Funktionen. Jod kann an verschiedenen Stellen in verschiedenen Zonen im TG angelagert werden. Physiolog. sinnvoll wird es in der dafür relevanten Zone an Tyrosin angelagert und bildet dort die Basis für die SD-Hormone. Die Anlagerung in anderen Zonen (auch an Tyrosin) hat keine Auswirkung auf die SD-Hormonproduktion.

Bei nicht ausreichender Versorgung mit Antioxidationsmitteln (z. B. Selen) kann es zu Zellwandschädigungen kommen, die zur vermehrten Freisetzung von Thyreoglobulin in die Blutbahn führen.
Auch im Normalfall wird TG in geringen Mengen ins Blut abgegeben. Aufgrund seiner Größe hat TG ein hohes auto-allergenes Potential, fördert also die Bildung von Auto-Antikörpern (TAK). Wird das mit Jod überladene TG aufgrund der Zellzerstörungen aus der SD freigesetzt, steigert sich das auto-allergene Potential aufgrund der TG-Menge im Blut.
Autoantikörper sind immer (und unabhängig von der Jodzufuhr) auch bei gesunden Menschen zu finden. Hier liegen viele der Antikörper jedoch „maskiert“ vor und können, je nach Umgebungsbedingungen (Redox-System im Blut [Redox = Reduktion-Oxidations], pH-Wert, Salzgehalt uvm.) ihren Status von „maskiert“ (inaktive AK) zu unmaskiert (aktive AK) wechseln.
Die genaue Funktion dieser maskierten AKs ist noch nicht bekannt, man nimmt jedoch an, dass sie eine wichtige Rolle in der Regulation der „Selbsterkennung“ darstellen – also der immunologischen Reaktion auf körpereigenes Gewebe.
Bei geänderten Umgebungsbedingungen im Zuge einer Stoffwechselregulation, können die maskierten also zu unmaskierten AKs (oder umgekehrt) wechseln.
Die maskierten AK werden bei der regulären AK-Bestimmung nicht erfasst. Sie können jedoch auch innerhalb des Probenmaterials, wie im Blut auch, milieuabhängig zu unmaskierten AK werden.
Ob sich aber aus dem Vorliegen von AKs tatsächlich eine autoimmune SDU entwickelt, ist stark abhängig von der genetischen Disposition in Kombination mit verschiedenen anderen Faktoren. Insgesamt ist die Entstehung einer autoimmunen Erkrankung also von vielen verschiedenen Einflüssen abhängig.
Schwankungen der SD-AK unterhalb der Referenzbereiche (teilweise als „Graubereich“ bezeichnet) können messtechnisch oder auch Milieu bedingt sein. Unabhängig von der Höhe der Antikörper (speziell der Hormon-AK) ist keine Dosiserhöhung alleine aufgrund der Höhe der AK erforderlich.

Fazit
AKs können bei SD-Gesunden durch exzessive Jodzufuhr (oder durch Jodschwankungen) „getriggert“ werden.
Vermutlich richten sich TG-AKs (TAK) vorwiegend gegen die Molekülbestandteile (Zonen), die bei normaler Jodversorgung nicht jodiert sind. Da AKs sehr spezifisch reagieren (das Antigen, welches gebunden wird, muss genau in die Bindungsstelle passen – Schloss-Schlüssel-Prinzip), ist davon auszugehen, dass auf normal jodiertes TG (welches sich in geringen Mengen im Blut befindet), keine AK-Reaktion erfolgt.
In wissenschaftlichen Artikeln wird daher die Reduzierung der Jodzufuhr bei SDU unterhalb des Normbereiches nicht empfohlen.
Reagiert ein Hund „auf Jod“, sollte überprüft werden,
• ob er auf die Jodquelle an sich reagiert (also das entsprechende Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel) und / oder
• ob er auf bestimmte Proteinbindungen, in denen Jod auftreten kann, reagiert und / oder
• ob insgesamt ein Jodüberschuss existiert.

Überlegung – ohne wissenschaftlichen Beleg

Jodschwankungen können bei SDU-Hunden Fallberichten zu Folge zu Verhaltensänderungen führen.
Die Jodregulation ist (wie alle Stoffwechselregulationen) ein sehr komplexes System, in welches auch die externe Hormonzufuhr mit ihren Abbauprodukten einbezogen wird.
Jodschwankungen könnte zu Rückkopplungen führen, die die SD-Aktivität und Entzündungsreaktionen beeinflussen.
Wird unter Substitution auf eine normale Jodzufuhr umgeschwenkt (und der Hund reagiert mit Verhaltensauffälligkeiten), sollte die Notwendigkeit der Substitution überprüft werden.
Fallberichte gerne unter Diskussionsbereich!
Fallbericht Jodreduzierung bei Sina siehe [1] oder Erfahrungsbericht - oder: die Wunder des T4 und T3:
Zitat:
Da mir so ein Hundeleben aber zu langweilig wurde, stellte ich das Futter um – mit vollem Erfolg: Sina wurde schlimmer als in ihren schlimmsten Zeiten.
Zu ihrem beliebtesten Hobby gehörte von nun an das Grasbüschel jagen - so in 300 m Entfernung. Aus einem "fast immer Freilauf"-Hund wurde ein Schleppleinen-Hund.
Bis dann endlich jemand die glorreiche Idee hatte, das muss am Futter liegen! Stimmt, das Futter hatte weniger Jod als normale Futtersorten.
Also wieder Futterumstellung auf das alte Futter – und gut ist. Aber so einfach geht das mit Sina nicht


Hinweis: Jod und Selen
Zur Wirkung von Selen auf eine autoimmunbedingte SDU gibt es zahlreiche Studien mit mehr oder weniger klaren Ergebnissen. Es scheint einen deutlichen Zusammenhang zu geben zwischen Antioxidantien (Selen) und SDU. Selen (und andere Oxidantien) verändert das Redox-System zu Gunsten der „maskierten“ AKs und zu Ungunsten der „demaskierten“ AKs.
Von einer grundsätzlichen Gabe von Selen bei einer autoimmunen SDU wird jedoch abgeraten.

Ergänzungen und Hinweise bitte als neues Thema im Diskussionsbereich einstellen.

Literatur [Auszug]

1. B. Zimmermann: Dr. Jekyll & Mr. Hund. Stuttgart: Thieme; 2018
2. Böhm .: Jodallergie Die endlose Geschichte. Fortschr Röntgenstr 2016; 188: 733–734
3. Dewachter P., Mouton-Faivre C: Allergie aux médicaments et aliments iodés: la séquence allergénique n'est pas l'iode. Presse Med., 2015
4. Böhm I. et al.: Iodinated Contrast Media and the Alleged “Iodine Allergy”: An Inexact Diagnosis Leading to Inferior Radiologic Management and Adverse Drug Reactions. Fortschr Röntgenstr 2017; 189: 326–332
5. Faulk WP. McIntyre JA: Prologue to autoimmunity forum: Autoimmunity reviews on redox signaling. Autoimmunity Reviews 7 (2008) 515–517
6. Burek CL. Rose NR: Autoimmune thyroiditis and ROS. Autoimmunity Reviews 7 (2008) 530–537
7. Davies AJS: Immunological tolerance and the autoimmune response. Autoimmunity Reviews 7 (2008) 538–543

Abkürzungen:
AG: Antigen
AK: Antikörper
SD: Schilddrüse
SDU: Schilddrüsenunterfunktion
TAK: Thyreoglobulin-Antikörper
TG: Thyreoglobulin

_________________
Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
Bild


Nach oben
 Profil Persönliches Album Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron
Infos zur Paypal -Forenspende





Geschützt durch Anti-Spam ACP

© 2004 - 2015 by Peter Rück    Impressum

"

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de