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 Betreff: Diagnoseverfahren SDU
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2018, 19:59 
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Die Diagnose einer SDU, besonders im Anfangsstadium, kann bekanntermaßen relativ schwierig sein.

Um die Diagnose besser abzusichern, wurde ein Verfahren zu Messung der freien SD-Hormone getestet: nach einer Ultrafiltration wird Flüssigchromatografie mit Massenspektrometer-Messungen koppelt (LC–MS/MS).
Im Allgemeinen besitzt fT4 eine höhere Spezifität, aber geringer Sensitivität als der T4-Wert (*). Durch die UF LC-MS/MS-Messung verspricht man sich auch eine höhere Spezifität.-

Ein anderer Ansatz klingt dagegen vielversprechender:
Die Studie
Bereits im Jahre 2001 hat die Arbeitsgruppe um Diaz-Espineira festgestellt, dass der GH (s.u.) bei Hunden, die längere Zeit eine SDU hatten, ansteigt.
Die Arbeitsgruppe von Pijnacker hat nun getestet, ob sich dies für die Diagnose nutzen lässt.
Hierzu wurden 24 Hunde mit körperlichen und/oder verhaltensmäßigen SDU-Symptomen, niedrigem T4 (unter dem Ref.-wert) und normalem TSH per Szintigrafie in die beiden Gruppen „SDU“ oder „NTI“ eingestuft.
Bei allen wurden die Basal-Werte von GH und TSH gemessen sowie nach einer Stimulation der Hypophyse durch TRH nach 30 bzw. 45 Minuten die resultierenden Werte. Die Messung nach 45 Minuten hatte dabei die beste Trennschärfe.
Bereits ohne Stimulation konnte anhand des höheren GH-Wertes gut zwischen NTI und SDU differenziert werden. Eine größere Trennschärfte erhielt man jedoch nach der Stimulation und mit dem GH/TSH-Quotienten. (siehe Tabelle)
Die Untersuchung erfolgt also in 2 Schritten und basiert teilweise auf dem Ausbleiben eines TSH-Anstieges bei SDU-Hunden (*):
• 1. Linie: SDU-Verdacht auf Basis von Symptomen und T4 (und TSH)
• 2. Linie: Untersuchung, ob eine SDU auf Basis des GH/TSH-Quotienten ausgeschlossen werden kann.
Untersucht werden also eigentlich Parameter, die mit der SD direkt nichts zu tun haben (GH) bzw. bisher teilweise für die Untersuchung irrelevant waren (TSH).
Aufgrund der geringen Hundezahl (21) sind allerdings weitere Untersuchungen erforderlich.

Anmerkungen und Hintergrundinformationen:
SDU/NTI
Bemerkenswert ist das Verhältnis der Hunde mit NTI und SDU: per Szintigrafie konnten bei 11 Hunden eine SDU festgestellt werden, bei 10 eine NTI.
Das heißt, dass nahezu 50 % der SDU-verdächtigen Hunde keine SDU hatten!!!!
GH
GH (Wachstumshormon = growth hormone = STH = Somatotropin = Somatotrophes Hormon) ist bei jungen Säugetieren maßgeblich für das Wachstum und fördert z. B. das Längenwachstum, aber auch die Wachstumsprozesse verschiedener Organe.
Es hat aber auch eine anabole Wirkung, was vor allem auf eine gesteigerte Aufnahme von Aminosäuren und dessen vermehrtem Einbau in Muskelproteinen beruht.
GH wirkt glandotroph auf Leber (regt sie also zur Ausschüttung von Hormonen an), die daraufhin Somatomedine (z. B. IGF-I, s. unten) freisetzt. Diese vermitteln viele Wirkungen von GH.
GH wird pulsatorisch (und vor allem nachts) aus der Hypophyse freigesetzt. Die Studie weist darauf hin, dass es die Differenzierung zwischen NTI und SDU erschweren könnte, wenn die Messung kurz nach einer GH-Freisetzung bei einem NTI-Hund erfolgt.
Die GH-Freisetzung unterliegt einer sehr komplexen Steuerung: Somatoliberin und Somatostatin wirken fördernd oder hemmend. Auch Neurotransmitter (Dopamin, Acetylcholin, Serotonin) wirken an der Steuerung mit. Weitere Faktoren aus dem Organismus wirken dagegen hemmend (Glucose, Aminosäuren, freie Fettsäuren, IGF-I).
Bei erwachsenen Tieren bewirken erhöhte GH-Werte verlängerte Gliedmaßen und Finger (Akromegalie). In ihrem Buch verweist Dramard (Troubles du comportement chez le chien) darauf, dass Hunde mit SDU häufig schlacksig, mit unproportionierten Gliedmaßen wirken. Vielleicht besteht da ein Zusammenhang?
Diaz-Espineira verweist darauf, dass sowohl bei einer Akromegalie als auch bei SDU dicke Hautfalten auftreten können und die Hautdicke in beiden Fällen aus Einlagerungen von Mucopolysacchariden resultieren.
Ob der GH bei einer SDU ansteigt oder nicht, ist von der Tierart abhängig. Bei Schafen findet keine Veränderungen beim GH statt. Bei Menschen, Ratten und Schweinen sinkt der GH bei einer SDU. Bei Menschen und Ratten wurde im GH-Gen ein Abschnitt (positives Thyroid-Hormon Antwort-Element (positive thyroid hormone response element (TRE)) festgestellt, welches dazu führt, dass niedrige SD-Hormone zu niedrigen GH-Ausschüttungen führen. Paradoxerweise führt jedoch auch bei Ratten und Menschen mit SDU (die ja eigentlich keinen gestiegenen GH haben) eine TRH-Gabe zu steigenden GH-Werten.
Beim Hund gibt es für die Erhöhung des GH-Wertes bei einer SDU verschiedene Erklärungsmodelle, die ggf. auch zusammenwirken:
• Bei Hunden fehlt das TRE
• Eine SDU könnte neben dem TRH auch ein weiteres Hypothalamushormon, das Somatostatin, beeinflussen. Somatostatin hemmt nicht nur GH, sondern ist auch ein wesentlicher Inhibitor für TSH. Bei einer SDU fehlt der Feedback der SD-Hormone auf die Hypothalamus-Hypophysen-Achse, so dass TSH ansteigt. Dieser Anstieg könnte jedoch auch durch eine gehemmte Somatostatin-Ausschüttung unterstützt werden. Durch weniger Somatostatin würde mehr GH freigesetzt.
• Möglicherweise wurden in der Hypophyse somatotrophe Zellen in thyrosomatotrope Zellen umgewandelt (die Zellen des Hypothalamus sind multifunktional).
Unter Substitution fällt der GH-Wert wieder.
IGF
IGF (Insulin-like growth factors, Somatomedine, SM-C) sind Hormone der Leber, die durch GH angeregt werden. IGF-I (IGF1) hat blutzuckersenkende und wachstumsfördernde Wirkungen.
Hunde mit SDU haben auch höhere IGF-I-Werte. IGF-I hemmt zwar geringfügig die GH-Ausschüttung, ist jedoch nicht der Hauptinhibitor für GH.
Dodds
Dodds schreibt übrigens (The canine thyroid epidemic (**), S. 9):
Zitat:
„A major difference between humans and dogs ist that while TSH controlls about 95 % of thyroid hormone regulation in human, it controls only 70 % in dogs. The remainder of a dog´s thyroid regulation is controlled by growth hormone, also know as somatotropin.

Diese Aussage ist allerfings in keiner weiteren Literaturstelle zu finden (und auch nicht anhand des Literaturverzeichnisses in ihrem Buch).

TRH-Stimulationstest

Bei einem TRH-Stimulationstest können bei einigen Hunden verschiedene Nebenwirkungen auftreten. In der Studie zeigten sich keine Nebenwirkungen.

Insgesamt zeigt sich also mal wieder ein deutlicher Unterschied (im SD-Kreislauf) bei Mensch und Hund und das es beim Hund noch viel diesbzgl. zu entdecken gibt.

(*) da es in diesem Zusammenhang nicht relevant ist, was genau Sensitivität / Spezifität auch im Hinblick auf eine Diagnose bedeuten oder wieso der TSH bei SDU-Hunden nicht ansteigt, verweise ich einfach auf „Dr. Jekyll und Mr. Hund“.
(**) Dodds WJ, Laverdure DR. The canine thyroid epidemic. Wenatchee: Dogwise Publishing; 2011

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Urheber: Beate Zimmermann & http://www.yorkie-rg.net
Stand: 27.11.2018

Hauptquelle:
T. Pijnacker et al.: Use of basal and TRH-stimulated plasma growth hormone concentrations to differentiate between primary hypothyroidism and nonthyroidal illness in dogs, J Vet Intern Med. 2018;32:1319–1324.


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Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
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