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 Betreff: Clickern mit dem eigenen Führhund
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: Di 8. Mai 2007, 09:29 
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Moin Ihr Lieben,

hier ist ein Auszug aus dem Artikel von Conny Hippler zu ihren Erfahrungen mit ihrem Führhund Krischan und dem Klicker:

Zitat:
Orginal von [mail=conny.hippler@web.de]Conny Hippler[/mail]
Erfahrungen mit dem Clickertraining und was man sich gemeinsam mit dem Führhund erarbeiten kann
Mein Name ist Cornelia Hippler, ich bin blind und komme aus Kassel. Ich habe einen zehnjährigen Langhaarcollie namens Krischan, der als Blindenführhund arbeitet. Als anspruchsvoller Hund benötigt Krischan viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung über das Führen hinaus. Auf der Suche nach einer geeigneten Beschäftigung, die uns beiden Spaß machen sollte, stieß ich vor fünfeinhalb Jahren auf das Clickertraining. Ich nahm als Gast an einem Seminar teil und habe es anschließend selbst ausprobiert.

Als ich nach dem Seminar anfing zusammen mit Krischan das gelernte im Alltag umzusetzen, fiel mir auf, dass ich Schwierigkeiten im Freilauf sehr gut mit Hilfe des Clickertrainings lösen konnte. Dabei bemerkte ich ebenfalls, wie aufmerksam Krischan auf meine Signale reagierte um einen Click zu bekommen.

Trotzdem hatte ich große Bedenken Fehler zu machen und traute mir auch nicht zu den Clicker während der Führarbeit einzusetzen. Ich bekam immer wieder zu hören, dass ich als blinder Mensch nicht clickern kann, da ich ja nicht sehe, was mein Hund gerade macht und deshalb den richtigen Zeitpunkt zum clicken verpassen würde. Erst als ich Krischan mit Hilfe eines Hundetrainers nachschulte, entdeckte ich, wie vielfältig ich den Clicker einsetzen kann. Wenn es nötig war, sagte mir der Trainer, was mein Hund gerade macht und welche Körpersprache er hat. Es war mir sehr wichtig Krischan's Verhaltensweisen immer besser einschätzen zu können um erfolgreich und selbständig mit ihm zu arbeiten, und wir trainierten auch außerhalb der Unterrichtsstunden, was uns beiden Spaß machte. Ich entwarf einen Trainingsplan um Krischan die Angst vor glatten Fußböden und Aufzügen zu nehmen, (er hatte sich einige Wochen zuvor eine Zerrung zugezogen, die aber schon verheilt war). Krischan hatte aber verknüpft, dass es gefährlich ist über solche Fußböden zu laufen. Ich lernte beim Training ihm die Sicherheit zu geben die er brauchte. Nach anfänglichen Bedenken begann ich den Clicker im Training einzusetzen. Das hatte mir der Trainer vorgeschlagen, da er der Ansicht war, dass es eine sehr positive Auswirkung auf das weitere Training hat, und er hatte recht damit!

Ich konnte mit Krischan in sehr kleinen Schritten arbeiten. Wenn er auf den Eingang eines Kaufhauses zu lief, bekam er dafür schon einen Click und ein Leckerchen. Dann für das Anzeigen des Eingangs und schließlich dafür, dass er eine Pfote auf den Glatten Fußboden setzte. Im nächsten Schritt ließ ich ihn dann ein kleines Stück in das Kaufhaus hineinlaufen, und mit der Zeit konnte er immer längere Strecken auf Glatten Böden laufen und hatte Spaß dabei. Beim Aufzugtraining machte ich es ähnlich, und auch hier wurde er immer sicherer. Er bekam für das darauf zugehen und später für das Anzeigen des Aufzugs click und Leckerchen und im dritten Schritt, wenn er eine Pfote über die Türschwelle setzte. Die Türschwelle des Aufzugs war für ihn eine große Hürde, weil er einmal in der Führungsschiene der Tür mit der Pfote Hängen geblieben war und deshalb keine Aufzüge mehr betreten wollte.

Für mich war es anfangs nicht einfach auf alles mögliche gleichzeitig zu achten, mitbekommen was Krischan macht, im richtigen Moment clicken, aufzupassen, dass die Aufzugtür offen blieb und den Leuten, die mir helfen wollten zu erklären, dass ich im Moment keine Hilfe brauchte.

Ich selbst bin vom Clickertraining überzeugt, weil ich damit die Möglichkeit habe, erwünschtes Verhalten im richtigen Moment zu bestärken. Über den Bügel des Führgeschirrs kann ich sehr viel mitbekommen, und beim Spaziergang trägt er ein Glöckchen am Halsband, so dass ich hören kann, wo er ist und was er macht.

Wenn ich etwas Neues trainiere, überlege ich mir vorher einen Weg, wie ich zum gewünschten Ziel kommen und möglichst viele Verhaltensweisen mitbekommen kann, und ich bin begeistert, wie freudig und kreativ Krischan mit mir zusammenarbeitet.

Was mich auch überzeugt: Clickertraining ist eine Ausbildungsmethode, die ohne schimpfen oder anschreien des Hundes und ohne körperliche Strafen wie Leinenruck etc. auskommt.

Ich bestärke mit dem Clicker erwünschte Verhaltensweisen meines Hundes. Wenn Krischan unerwünschtes Verhalten zeigt, verhalte ich mich so, dass es ihm keinen Erfolg bringt, (wenn er mich z.B. anbellt oder anspringt, weil er sein Spielzeug schneller haben möchte, stecke ich es erstmal wieder in die Tasche), oder verhindere, dass er das Verhalten überhaupt zeigen kann. Und ganz wichtig! ich bringe Krischan ein Alternativ-Verhalten bei, das sich nicht mit dem unerwünschten Verhalten kombinieren lässt.

Wenn wir zusammen in der Stadt unterwegs sind, wird Krischan häufig von Passanten gestört. Das passiert z.B. während wir beim Einkaufen an der Kasse stehen, oder auch, wenn wir eine Straße entlang laufen. Ich habe Krischan mit Hilfe des Clickertrainings beigebracht, sich von der ihn ablenkenden Person wegzudrehen und mir bescheid zu sagen, dass er abgelenkt wird. Im ersten Schritt hat er gelernt meine Hand mit der Nase zu berühren, dafür habe ich ihm dann ein Hörzeichen beigebracht, und danach lernte er sich von verschiedenen Ablenkungen, die ich langsam gesteigert habe, abzuwenden. Wenn er im Führgeschirr angesprochen wird muss ich häufig gar kein Hörzeichen
mehr geben, sondern die Leute, die ihn ansprechen sind zum Signal geworden sich mir zuzuwenden.

Um es ihm in einigen Situationen leichter zu machen, darf er z.B. während wir an der Kasse stehen einen Gegenstand in der Schnauze tragen. Beim Laufen im Führgeschirr ignoriert er meistens die Person und läuft schwanzwedelnd an ihr vorbei. Er hat gelernt, dass sich das Vorbeilaufen lohnt, weil er dafür Click und Leckerchen bekommt, oder er als Belohnung nach dem Click die Person begrüßen darf.

Oft dreht er bei einer Ablenkung den Kopf kurz zu mir oder berührt meine Hand mit der Nase und zeigt mir damit an, dass da etwas ist. Sobald ich ihm gesagt habe, dass ich es auch mitbekommen habe, läuft er weiter. Krischan hat mit Hilfe des Clickertrainings gelernt, mir verschiedene Regale im Supermarkt anzuzeigen. Ich setze den Clicker auch sehr häufig außerhalb der Führarbeit ein, um erwünschtes Verhalten im Freilauf zu bestärken und mich kreativ und mit viel Spaß mit Krischan zu beschäftigen. Wir üben z.B. das Unterscheiden verschiedener Gegenstände oder machen Spiele, wo ich ein oder mehrere Gegenstände verstecke, die er dann sucht und mir bringt. Wir trainieren auch das Anzeigen und Bringen von Fressbarem. Früher hat Krischan sowohl im Führgeschirr als auch im Freilauf gefressen. Im Freilauf oder an der Leine passiert das heute auch noch, aber nicht mehr so häufig. Ich trainiere diese Dinge regelmäßig, weil es manchmal vorkommt, dass Passanten Krischan Futter anbieten oder Fressbares irgendwo herumliegt.

Zuerst habe ich mit Krischan trainiert, dass er mir große, harte Hundekekse, die nicht gleich im Hundemagen verschwinden konnten, in die Hand gab. Mit der Zeit haben wir mit immer kleineren Keksen geübt. Zur Belohnung nach dem Click gab es dann entweder den Keks, den er mir gegeben hat, oder eine qualitativ bessere Belohnung, wie z.B. ein Stück Käse. Dann mache ich noch Übungen, bei denen ich Futter auf den Boden werfe, Krischan aber sage, dass er es liegen lassen soll. Das finde ich nützlich, wenn ich merke, dass er etwas vom Boden aufnehmen möchte.

Vor einiger Zeit hat er mir beim Führen ein auf dem Bürgersteig liegendes Brötchen oder Kuchenstück in einer Tüte durch Kratzen mit der Pfote angezeigt und ist dann daran vorbeigelaufen, was ich natürlich belohnt habe. Beim Spaziergang hat er sich vor kurzem von einer Person die ihm ein Leckerchen angeboten hat weggedreht und ist zu mir gelaufen. Im Unterschied zur traditionellen Ausbildung lernt der Hund sich freiwillig wegzudrehen, das Futter anzuzeigen, zu bringen oder auf ein Signal hin liegen zu lassen.

Entgegen der Meinung einiger sehender Personen bin ich der festen Überzeugung, dass Clickertraining auch für blinde Menschen geeignet und eine gute Alternative zur traditionellen Hundeausbildung ist.

_________________
I find it difficult to understand why punishment would be necessary to teach the relatively simple behaviors asked for in "competition" (Bob Bailey)


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 Betreff: RE: Clickern mit dem eigenen Führhund
Posting Nummer:#2  BeitragVerfasst: Mi 9. Mai 2007, 14:57 
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Hallo Marco,

danke für dieses ausführlich Zitat, das ich nicht durch Kommentare verwässern möchte. Nur eine Bemerkung möchte ich ergänzen:

Vielleicht ist aber die Blindheit auch ein gewisser Vorteil. Der Hund kann in Ruhe probieren. Sehende reagieren fast immer auf Ansätze zu Fehlversuchen. Der Hund bleibt unselbständig beim Problemlösen.

Gruß R.

_________________
Es ist ein aufwändiger Prozess, von einer Dummheit zur nächsten umzulernen.
Georg Christoph Lichtenberg


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