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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#11  BeitragVerfasst: Di 19. Jul 2011, 15:44 
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Hallo Marco,

ich versuche mal, Deine Fragen zu beantworten, aber natürlich kommt bei einem Seminar immer noch so viel mehr an Infos und Interessantem rüber, was auch je nach den Teilnehmern in unterschiedliche Richtungen und Schwerpunkte gehen kann.

Bei dem Workshop, an dem ich teilnahm, handelte es sich nur um ein 1-tägiges Seminar mit praktischen Übungen.
Bei dem 2-Tages-Seminar, um das es Dir geht, wird ganz sicher alles noch viel ausführlicher besprochen werden können und bestimmt werden einige Übungen auch mehr vertieft werden können, z. B. Reizangeltraining.


Zitat:
Original geschrieben von Marco
Okay, ich merke, Du magst sie und ihre Art Seminare zu geben. :D

ja, in der Tat... :D
Und hier gleich mal danke an Anne, die, besser, als ich je könnte, erklärte, was Ute-Seminare so wertvoll macht...


Zitat:
Original geschrieben von Marco
...warum Du an dem Hüterseminar teilgenommen hast (hast Du selbst welche?) und was Du gelernt hast, was Du vorher nicht wusstest? Konntest Du das anwenden?

Hüter hab ich keine.
Meine Gründe für dieses Seminar waren:
1. es war von Ute
2. es war in der Nähe
3. ich bekam einen Platz

Du willst jetzt nicht alles hören, was ich gelernt habe, nein :o )?

Ganz sicher kennst Du Dich mit Hütehunden wesentlich besser aus als ich, aber mir war z. B. vorher nicht klar, dass der so beliebte Treibball nun gerade kein expliziter Ersatz für Hüteverhalten darstellt, weil sich die Bälle ja nicht von alleine bewegen, die gehüteten Tiere aber in der Regel alleine auf Blicke und Bewegungen der Hunde reagieren und normalerweise dem körperlichen Kontakt eher ausweichen.
Treibball ist gut, um richtungsweisende Signale zu üben ect. (übrigens für alle Hunde, nicht nur für Hüter), aber eben nicht, weil die Bälle wie Schafe getrieben werden könnten.

Oder, dass Hütehunde - darauf selektiert, kleinste Bewegungen (auch vom Menschen) zu registrieren und mit Signalen zu verknüpfen - besonders leicht zu verwirren und zu frustrieren sind, wenn der Mensch es nicht versteht, ordentlich mit ihnen zu kommunizieren und auch seine Körpersprache fein zu dosieren.
Wobei natürlich der Marker als wichtiges Mittel zur Kommunikation eingesetzt wurde.

Dass sich die "Verträglichkeit" von Hütehunden nur auf die Tiere bezieht, die "dazu gehören".
Wachen und Melden gehört bei vielen Hütehundrassen eben auch zu den geforderten Eigenschaften.


Zitat:
Original geschrieben von Marco
Zitat:
Original geschrieben von Dani+Kunterbunt
Und was adäquate Belohnungsmöglichkeiten sind, wie man gut mit der Motivation des Hundes arbeiten kann, ohne ihn ständig hochzupushen ect.
Kannst Du da Beispiele nennen? Auch eventuell ein wenig erläutern, was Ute unter "ständig hochpushen" versteht?

"....ständig hochpushen" sind meine Worte, Ute drückt sich schon anders aus :)
Bei falschem Umgang / ungeeigneter Beschäftigung neigen gerade Hütehunde eher zu problematischem Verhalten in Richtung von Hyperaktivität oder Zwangsverhalten.
Wie oft hört man denn immer noch: "das ist ein Hütehund, der braucht gaaaanz viel körperliche und geistige Auslastung", was dann u. a. eben leicht zu o.g. "Problemverhalten" führt.

Sinnvoller sind bspw.:
gleichmäßige körperl: Bewegung in nicht allzu interesssantem Umfeld,
Suchaufgaben mit den Augen statt nur mit der Nase.
Verfolgen bewegter Objekte mit den Augen, in Verbindung mit Suchaufgaben oder mit Schicken zu Targets...
Und natürlich Arbeit im Kooperation mit dem Menschen, wo wir wieder beim Markersignal wären, außerdem natürlich beim Geschirrgriff und bei der konditionierten Entspannung, was auch alles zum Seminar gehörte, also Erläuterung von Sinn und Zweck, sowie zum Aufbau derselben.

Und natürlich war das längst noch nicht alles...


Zitat:
Original geschrieben von Marco
Zitat:
Original geschrieben von Dani+Kunterbunt
Um Hundesport wird es allerdings eher nicht gehen.
Das würde ich auch nicht unbedingt erwarten. Solange es nicht um "Antihundesport" geht, wär's okay. 'n bisschen dürfen die Hüter schon hochpushen, wenn's unter Kontrolle bleibt! :COOL

Solange Hundesport in einer Art und Weise betrieben wird, die dem Hund guttut, spricht doch nichts dagegen und ein bisschen hochpushen darf auch sein, wenn es immer einen Gegenpol gibt. Da ist eben der Halter gefragt, es erkennen und auch steuern zu können - aber da sind wir uns wohl einig, denk ich. ;)


Zitat:
Original geschrieben von Marco
Das bringt mich dann zu dem Punkt, ob man da mitschreiben muss oder ob es ausreichende Unterlagen gibt? Wie ist der Anteil von Theorie und Praxis?

Unterlagen gibt es danach per Mail, aber Mitschreiben Deiner eigenen Gedanken ist natürlich immer sinnvoll...

Anteil Theorie / Praxis war bei uns etwa 2 / 1 (geschätzt), aber das kann bei einem kompletten Wochenend-Seminar auch anders sein.


Zitat:
Original geschrieben von MarcoWobei ich einige der Cumcane-Absolventen gerade anders erlebt habe.

Kann ich nicht behaupten, aber natürlich kenne ich auch nicht alle...

Liebe Grüße
Dani

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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#12  BeitragVerfasst: Di 19. Jul 2011, 19:39 
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Hallo Dani

naja, das, was du schreibst, ist ja für Hütehunde nichts wirklich neues und weltbewegendes. Dafür muss man nicht unbedingt zwei Tage mit seinen Hütern opfern :sarcastic

Gruß Bea

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Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
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 Betreff: RE: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#13  BeitragVerfasst: Di 19. Jul 2011, 20:59 
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Moin Dani,

vielen Dank für Deine ausführlichen Beschreibungen. Nun kann ich das alles besser einordnen und Beate hat recht, dass sind so die normalen Dinge, die man als Hüterhalter wahrscheinlich bald weiß, wenn man dann aus dem Wundern herausgekommen ist. :-)

Zitat:
Original geschrieben von Dani+Kunterbunt
mir war z. B. vorher nicht klar, dass der so beliebte Treibball nun gerade kein expliziter Ersatz für Hüteverhalten darstellt, weil sich die Bälle ja nicht von alleine bewegen, die gehüteten Tiere aber in der Regel alleine auf Blicke und Bewegungen der Hunde reagieren und normalerweise dem körperlichen Kontakt eher ausweichen.
Das hängt von der Art des Hütens ab. Border Collies arbeiten meist an kleineren Gruppen und da nutzen sie hauptsächlich diese tiefe Stellung und das Anstarren ("Style" und "Eye"). Die Altdeutschen Hütehunde arbeiten anders, da es ihr Job ist, größere Herden von Schafen von Futterstelle zu Futterstelle zu bewegen und sie insbesondere davon abzuhalten, die nebenan liegenden Felder zu betreten. Ein Schaf das da hin will, kann schon hartnäckig sein und braucht deutlichere Aufforderungen, weshalb die Schäfer bei den AH's gerne die "Griffe" sehen. Das sind eigentlich Bisse in Keule und Nacken, die aber nicht verletzen dürfen. Guckst Du hier oder hier.

Hier ist ein kleines Video, auf dem man schön sieht, wie der AH (ein Tiger) "Furche läuft" und einfach an der Grenze zwischen erlaubten und nicht erlaubten Gebiet patrouilliert.


Das Seminar ist übrigens ein 2,5 Tage Seminar von Freitag bis Sonntag und ich habe einen Platz. :D

Besten Gruß,
Marco

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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#14  BeitragVerfasst: Di 19. Jul 2011, 23:53 
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Hallo,

wie ich schon schrieb, war das ja bei Weitem nicht alles, was uns (mir) an dem einen Seminartag geboten wurde - und ich hab ja nun mal keine Hüter und dementsprechend wenig Vorerfahrung.

Dass es unter den verschiedenen Hütern natürlich auch verschiedene Hüte"arten" gibt, blieb selbstverständlich nicht unerwähnt...

Es freut mich, dass Du einen Platz hast, Marco, und ich hoffe trotzdem auf Deinen Bericht.

LG
Dani

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 Betreff: RE: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#15  BeitragVerfasst: Mi 20. Jul 2011, 08:36 
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Moin Dani,

ich weiß Deine Darstellungen vom Seminar durchaus zu schätzen. Das waren sehr wohl Informationen für mich, die zu meiner Entscheidung beigetragen haben! :top

Zitat:
Original geschrieben von Dani+Kunterbunt
ich hoffe trotzdem auf Deinen Bericht.
Natürlich. Der wird folgen.

Besten Gruß und vielen Dank,
Marco

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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#16  BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 09:23 
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Huhu Marco!

War nett dich mal "zu sehen" und nicht nur zu lesen :) !

Bin gespannt, was für Eindrücke zu schildern wirst!

Liebe Grüße
Nicole


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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#17  BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 10:54 
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Moin Nicole,

danke, gleichfalls! "Leider" war das Seminar so intensiv, dass nicht so viel Zeit zum Quatschen blieb.

Meine Eindrücke werde ich heute Abend noch ausführlicher schildern.

Besten Gruß,
Marco

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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#18  BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 18:07 
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ui, ich bin schon supergespannt auf Deinen bericht

*ungeduldigaufundabtrippel*

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Grüßle, Monika


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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#19  BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 20:08 
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Moin zusammen,

hier der versprochene Bericht zum Semianr "Problemhund Hütehund?" mit Dr. Ute Blaschke-Berthold.

Am Wochenende hatte ich Gelegenheit an einem Seminar mit Dr. Ute Blaschke-Berthold teilzunehmen. Thema des zweieinhalbtägigen Seminars waren Hütehunde und die spezifischen Probleme, die sich durch die Haltung von solchen Spezialisten im Alltag ergeben können. Da ich sowohl Hütehundhalter, als auch Trainer in einem Hundesportverein bin, in dem eine ganze Reihe von Hütehunden der verschiedensten Rassen zu finden sind, war ich sehr interessiert, Hintergrundwissen zu den besonderen Anlagen der Hüter zu erfahren. Am Seminar habe ich ohne Hund teilgenommen und konnte so sehr viel von Utes Arbeit mit den einzelnen Teams mitbekommen.

Das Seminar begann mit einer mehrstündigen theoretischen Einheit am Freitagnachmittag, in der Ute die Basis ihrer Arbeit vorstellte und demonstrierte, wie sich dies auf Hunde vom Hütetyp übertragen lässt. Dabei identifizierte sie bei den Hütehunden bestimmte Bereiche, in denen diese besondere Motivationen, Fähigkeiten und Interessen mitbringen. Danach sind Hütehunde "Bewegungskontrollierer", denen das Überwachen und Steuern der Bewegungen anderer Lebewesen (was 'mal im Job Schafe waren, sind im Alltag andere Hunde, Katzen und Menschen) ein inneres Bedürfnis ist. Aus dieser Charakterisierung ergeben sich bestimmte Konsequenzen: Hüter sind Augentiere, die sehr empfindlich auf Bewegungen in ihrer Umgebung reagieren. Sie können ebenfalls sehr geräuschempfindlich sein, da auch Geräusche Hinweise auf Bewegungen in der Herde geben. Je nach ihrem Einsatzgebiet haben die verschiedenen Hütertypen auch selbst ein hohes Bewegungsbedürfnis und verfügen über verschiedene Bewegungsmuster, die sie bei der Arbeit an der Herde brauchen. Auch die direkte Arbeit mit den zu hütenden Tieren zeigt sich im Verhaltensrepertoire der Hüter. Hunde, die auch an Kühen arbeiten zeigen sowohl eine andere Anatomie, wie z.B. ein kräftigeres Gebiss, als auch eine entsprechend stärkere Tendenz, dieses einzusetzten. Allen Hütern gemein ist eine hoh Kooperationsbereitschaft mit seinen Menschen.

Den Coppingers folgend geht Ute davon aus, dass das Hüteverhalten aus den Sequenzen des Jagdverhaltens der Caniden herausgezüchtet wurde. Das erklärt auch, warum manche Hüter, entgegen einer weitverbreiteten Meinung, solch begeisterte Jäger sind. Ebenfalls ergibt sich hieraus eine gewisse Gemeinsamkeit im Training der Hüter, mit dem mancher Jagdhundtypen.

Die Problembereiche bei Hütern ergeben sich aus ihren Bedürnissen. Werden diese Bedürfnisse längerfristig nicht befriedigt oder gar unterdrückt ("Ventile zugemacht"), kann es zu unpassendem Hüteverhalten ("falsche" Objekte hüten, Jagen etc.), Übersprungshandlungen, Frustration bis hin zu Zwangshandlungen kommen. Training, das auf Strafe setzt, kann hier höchstens kurzfristigen Erfolg haben, da es eben nicht zur Bedürfnisbefriedigung führt. Es ist deshalb zu vermeiden (Ute erwähnte allerdings, dass, wenn dann doch Strafe eingesetzt wird, unbedingt unmittelbar eine Alternative geboten werden muss). Sehr viel besser und mit weniger Nebenwirkungen behaftet ist es jedoch mit den Reizauslösern ("schnelle Bewegung") mit der Hilfe von funktionalen Verstärkern ein Alternativverhalten zu verknüpfen und so eine Umlenkung von der unerwünschten Handlung auf tolerierbares Verhalten zu erreichen. Gleichzeitig sollte der Hütehund durch hüteähnliche Ersatzhandlungen seine Bedürfnisse befriedigen können. In dieser Kombination lässt sich ein Hüter artgerecht beschäftigen.

Funktionale Verstärker sind solche Verstärker, die den aktuellen Bedürfnissen des Hundes in der Situation nahe kommen. Einem Hund, der Wild hetzen möchte, sollte nach Möglichkeit ein vergleichbares Verhalten, wie etwa hinter einem Spielzeug herzujagen, geboten werden, da dies seinen aktuellen Bedürfnissen näher kommt, als ein Stück Futter. Für das Training ergibt sich hier (m.E.) die sehr wichtige Aufgabe, ein Repertoire an funktionalen Verstärkern aufzubauen.

Am Samstag und Sonntag kam es dann zur praktischen Umsetzung des theoretisch Erarbeiteten. Mit den Teilnehmern mit Hund wurden die Anfänge der folgenden Übungen gemacht:
  • Das "Mäusschenspiel" ("Lauerspiel").
    Hierbei geht es darum, dass der Hund lernt mit den Augen ein begehrtes Objekt zu verfolgen, ohne aber sein Position zu verlassen. Erst nach dem Markersignal (z.B. der Klick des Klickers) folgt die Freigabe mit gleichzeitigem Wurf des Objektes hinter den Hund. Hinter den Hund wird geworfen, um die Vorwärtstendenz zu bremsen ("Click for action. Treat for position"). Ziel ist es Distanz mit in die Übung zu bringen, so dass der Hund auch auf einige Entfernung verharren kann.
  • Arbeit mit der Reizangel
    Auch hier wieder Impulskontrolltraining, vergleichbar dem "Mäusschenspiel", diesmal mit einem Objekt, dass nicht so dicht beim Menschen ist.
  • Targetarbeit mit Fähnchen
    Schicken des Hundes voraus zu einem kontrastreichen gut sichtbaren Target. Dies kann man sich vorstellen, wie eine verallgemeinerte Variante des Longiertrainings. Es wird nicht speziell ein Kreis erarbeitet, sondern das Laufen von Fähnchen zu Fähnchen, gerne auch mit Bogen, so dass man den Hund quasi um sich herumlaufen lassen kann, analog zum outrun in der Hütearbeit. Der Mensch spielt dabei die Herde.
  • "Verloren Tierchen"
    Eine schöne Übung, bei der der Hund auf dem Weg einen abgelegten ("verlorenen") Gegenstand finden soll. Wichtig dabei, dass dieser Gegenstand für die Hüter relativ gut sichtbar ist und auf dem zurückliegendem Weg plaziert wird, um den Hund mehr mit Augen und weniger mit der Nase suchen zu lassen.
    [/list]

    Das "Lauerspiel" (ich nenne es 'mal lieber so, weil mir bei einer Reihe von Teilnehmern aufgefallen ist, dass sie das Signal "Mäusschen" für die Impulskontrollübung nahmen, aber auch zwischen drin ihren Hund mit dem Kosenamen "Mäusschen" riefen ;) ), soll im Kern bei den Hütern herauskitzeln, dass sie das Beobachten (und nicht das Lossprinten) als belohnend empfinden. Die "Longier-/Fähnchen-arbeit" ist eine Variante den Hund seinen Bedürfnissen entsprechend die Bewegungen des Menschen kontrollieren zu lassen, während das "Verloren Tierchen" ein funktionaler Verstärker sein kann, wenn man z.B. das "Lauerspiel" auflöst.

    Während des Trainings, auf dem Weg zwischen Seminarraum und Übungswiese und natürlich auch während der Theorieeinheiten gab es immer wieder viele Gelegenheiten über die einzelnen Dinge zu reden und zu diskutieren, Erweiterungen und Ergänzungen zu besprechen. So habe ich für mich noch mitgenommen, in einigen Situationen das "Benennen und Markieren" auszuprobieren. Damit ist gemeint, dass man eine Art Anzeigeverhalten übt und so über das Hörzeichen "Da kommt X" es dem Hund leichter macht, sich auf die Situation vorzubereiten.

    Auf dem Seminar waren ich und meine Freunde als Hundesportler wohl ein klein wenig exotisch. Mein Eindruck war, dass ein großer Teil der Teilnehmer selbst Hundschultrainer waren, die nicht zum ersten Mal bei einem Seminar bei Ute waren, sondern schon mehr Erfahrungen mit ihren Trainingskonzepten gesammelt hatten Mir viel dabei auf, dass mit den Hunden sehr viel (für meinen Geschmack: zu viel) geredet bzw. signalisiert wurde. Alle möglichen Dinge wurden, "benannt", "gemarkert", mit der Intermediären Brücke begleitet und mit Futterstreuen belohnt. Nicht immer habe ich dabei verstanden, was gemarkert wurde. Das war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, als Hundesportler habe ich es gelernt, nach einem klaren Kriterium zu klicken (markieren). Aber wenn ich das Kriterium nicht erkenne, heißt das ja auch nicht, dass keins da ist :D.

    Mir hat das Seminar sehr viel Spaß gemacht, ich habe vieles bestätigt bekommen, einige neue Dinge gelernt (ich wußte z.B. nicht, dass Hüter deshalb so gute Fußarbeit machen, weil sie dabei die Bewegungen ihres Menschen kontrollieren können) und jede Menge Anregungen erhalten. Ich bin mir sicher, dass Klara demnächst für einige Experimente herhalten muss und auch für meine Trainingsgruppen habe ich einige Ideen. Das Seminar hat sich für mich bestens gelohnt!

    Mein Dank geht an Ute für ihren erfrischenden Vortragsstil, der mit Witz und Sachkenntnis die wesentlichen Punkte herausarbeitet. Gelegentliche Witze über Männer sind okay. So ist das eben mit Minderheiten...

    Besten Gruß,
    Marco

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 Betreff: Re: Seminar "Hütehunde"
Posting Nummer:#20  BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 21:15 
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Danke, Marco, für Deinen ausführlichen und gut erklärten Bericht.

Ganz besonders freut mich natürlich, dass Dir das Seminar Spaß gemacht und sich gelohnt hat.

Und dem
Zitat:
Original geschrieben von Marco
Mein Dank geht an Ute für ihren erfrischenden Vortragsstil, der mit Witz und Sachkenntnis die wesentlichen Punkte herausarbeitet. Gelegentliche Witze über Männer sind okay. So ist das eben mit Minderheiten...

ist ja wohl nichts mehr hinzuzufügen. :g
Schön :top

LG
Dani

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