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 Betreff: Erfahrungsbericht BABESIOSE
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 23:07 
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Hallo,

Ich dachte, ich stelle das mal hier rein. Offenbar ist die Krankheit zwar mittlerweile gar nicht mehr so selten, doch viele Tierärzte erkennen die Symptome nicht - mit fatalen Folgen!

An diese Krankheit hätte ich binnen weniger Tage beinahe meinen Jason verloren!

In der Tierklinik erkannten die ersten beiden behandelnden Ärztinnen die Symptome nicht! Und das, obwohl ich mehrfach darauf hingewiesen hatte, daß wir letztes Wochenende in Thüringen (Endemiegebiet) waren und meine Hunde unzählige Zecken hatten!

Darum wollte ich euch ein paar Hinweise geben, denn die Krankheit rafft selbst einen starken, gesunden Hund binnen weniger Tage einfach weg!

3 Tage nach unserer Rückkehr aus Thüringen zeigte Jason folgende Symptome:

Mattigkeit, Lahmheit vorne links, Appetitlosigkeit (!!!) unter hartnäckiger Futter- und Wasserverweigerung. Außerdem Erbrechen (zunächst kein Durchfall).

Einen Tag später kam, bei anhaltender Futter- und Wasserverweigerung, dann auch noch Fieber dazu. Außerdem war sein Urin auffallend gefärbt (orange).

In der Tierklinik röngte man den Bauchraum und diagnostizierte eine stark vergrößerte Milz! Ultraschall von Leber, Nieren und Milz ergab: keine Tumoren, kein Milzriß, Leber (noch) intakt. Es wurde ein Blutbild gemacht, dieses ergab Anämie. Fieber lag bei 40,3 Grad. Wiegen ergab, daß Jason in rasender Geschwindigkeit von 43 Kilo (vor 14 Tagen gewogen) auf 37,5 Kilo abgenommen hatte.

Jason bekam Infusionen (NaCl, Ringer-Lactat, Vomex, AB, Novalgin). Die Ärztin redete etwas von "Milz entfernen, weil die ein Hund sowieso nicht braucht" und "Autoimmunerkrankung" (ich kenne keine Autoimmunerkrankung, bei der die Milz derart vergrößert ist!). Ich wies nochmals darauf hin, daß er sehr viele Zecken hatte, und bekam zur Antwort, das mit den Zecken sei alles nicht so tragisch und werde durch die Presse nur aufgebauscht. Trotzdem entnahm sie Blut zwecks Immunoblot-Test auf Borreliose.

Nach den Infusionen ging es Jason ein wenig besser, das Fieber war bei 39,2 (also fast weg), er fraß sogar ein ganz klein wenig. Abends jedoch ging es ihm wieder schlechter. Am folgenden Tag hatten wir erneut einen Infusionstermin. Das war diesen Samstag. Da hatte ich im I-Net schon ergoogelt, daß eine vergrößerte Milz (und auch all die anderen Symptome) auf Babesiose hinweisen! Ich teilte der Ärztin meinen Verdacht mit, es wurde auf mein hartnäckiges Drängen hin nochmals Blut genommen, um auf Mittelmeerkrankheiten (Leishmaniose, Babesiose, Ehrlichiose, Herzwürmer) zu untersuchen. Jedoch mit dem Kommentar "Das hat der sowieso nicht!".

Die Infusion brachte aber nicht viel. Jason wurde immer apathischer, fraß und trank nicht und "verschwand" vor meinen Augen. Ich konnte zusehen, wie er Gewicht verlor! Ich kaufte mir ein Fieberthermometer, eine 50 ml-Spritze und Elo-Trans, um für Jason Elektrolytlösung herzustellen.

Die Nacht von Samstag auf Sonntag schließlich war der Horror.

Jason bekam in Viertelstunden-Abständen ab 19 Uhr 20ml-weise Elektrolyte eingeflößt. Um Mitternacht erbrach er alles wieder. Fiebermessen ergab 40,8 Grad Fieber. Die Augen waren merkwürdig glasig und gebrochen, fast schon wie tot, und Jason lag reglos (nur wimmernd) in seiner Kudde.

Ich war zwischenzeitlich 100 % ig sicher, daß Jason unter Babesiose leidet. Die Inkubationszeit war zwar kurz, aber das hat nicht viel zu heißen. Alle Symptome (inclusive der Ursache!) paßten!

Nun ist es hier in D ja nicht so einfach, an das Mittel Imizol (das einzige wirklich hilfreiche Mittel gegen Babesiose) heranzukommen. Es muß üblicherweise aus dem Ausland (Frankreich oder Schweiz) importiert werden, was bis zu 14 Tage dauern kann!

Am nächsten morgen, Sonntag (gestern), sofort wieder in die Klinik (nachdem uns nachts sämtliche Notdienste abgewimmelt hatten!!!). Jason konnte sich aus eigener Kraft nicht länger als ein paar Sekunden auf den Beinen halten, die Augen waren glasig und trüb.

Wiegen: 36 Kilo! Dieses Mal war aber der Chef da. Er befragte mich zu den Symptomen, nahm per Katheder Urin, in dem er Blut nachweisen konnte. Er entschied, daß Jason sofort auf Babesiose behandelt werden soll, nicht erst nach Ankunft der Laborergebnisse (die kommen MORGEN!). Große, riesengroße Erleichterung:

Das Imizol war vorrätig!

Jason bekam die volle Dosis für einen Hund seiner Größe, danach wieder an den Tropf. Dieses mal erhielt er zusätzlich zur Ringer-Lactat-Lösung auch eine Glucose-Lösung.

Er erbrach sich während der Infusion, vermutlich als Reaktion auf das Imizol. Das war die einzige Nebenwirkung des Medikamentes, die ich beobachten konnte. Ansonsten vertrug er es gut.

Gestern abend, 6 Stunden nach Verabreichung des Imizols, war seine Körpertemperatur von 41 auf 39 Grad gesunken. Zum ersten Mal seit fünf Tagen nahm er einige wenige Futterbrocken an! Er lag bei mir im Garten und wirkte völlig verändert - als habe er am Tag zuvor eine Grenze passiert und sei nun wieder zurückgekehrt! Er schaffte sogar einen 15-minütigen Spaziergang! Die Augen waren klar, der fiebrige Glanz verschwunden.

Um 20 Uhr rief der Chefarzt an und erkundigte sich nach Jason´s Befinden. Ich berichtete ihm von den unglaublichen Fortschritten - so schnell, wie mir mein Hund entglitten war, erholte er sich auch wieder.

Heute konnten wir 3 x 15 min spazierengehen. Bei den Infusionen wurde auf das Vomex dieses Mal verzichtet (es hatte ohnehin nicht geholfen). Außerdem wurde nun ENDLICH Kapillarblut genommen. Das ist Blut aus der Ohrunterseite oder der Kralle. Nur übers Kapillarblut läßt sich ein Babesienbefall oft schon unterm Mikroskop nachweisen! Bei Jason fand man ein paar Einschlüsse, aber keinen eindeutigen Nachweis.

Nach unserer Heimkehr gab ich Jason einen Hundekuchen, den er mit Appetit (!) verschlang. Ich wollte beobachten, ob er diesen bei sich behalten konnte, immerhin hatte er nun 6 Tage nicht gefressen.

Eine Stunde später bekam er 400 g Huhn und Reis (Rinti), das er gierig verschlang! Und er trank freiwillig Wasser, das er nicht wieder erbrach!

Bis abends hat Jason ein ganzes Kilo (!) Huhn und Reis verdrückt, das ich mit Wasser angereichert habe. Er war im Garten munter, wollte sogar mitmachen, als ich mit Dustyn Ball spielte. Dies alles gut 24 Stunden nach der Imizol-Injektion!

Das Mittel wirkt sehr, sehr schnell, aber wichtig ist beim Babesiose- erkrankten Hund das SCHNELLE Handeln. Bis morgen hätte Jason nicht überlebt, es zählt jede Stunde.

Morgen bekommt er nochmal Infusionen, Mittwoch auch, doch wenn er dann normal frißt und trinkt, werden wir hoffentlich auf die Infusionen verzichten können.

Die Imizol-Injektion wird nach 14 Tagen nochmal wiederholt.

Also:

Wenn ein Hund nach Zeckenbiß die Symptome Milzvergrößerung, Lebervergrößerung, Anämie, hohes Fieber, begleitet von völliger Apathie und Verweigerung von Futter- und Wasseraufnahme, zeigt, BITTE denkt an Babesiose. Ein weiterer Hinweis ist der verfärbte Urin. Das zeigt, daß die Babesien schon viele Blutzellen zerstört haben und diese jetzt ausgeschieden werden. Dieses Symptom kann, muß aber nicht unbedingt auftreten.

Nachweis ist als Blutabstrich aus Kapillarblut möglich. Wenn die Symptome aufs Wochenende fallen, kann eine Laboruntersuchung von EDTA-Blut / Serum zu lange dauern! Allerdings bedeutet ein negativer Blutabstrich nicht, daß der Hund die Krankheit nicht hat.

Therapie: Imidocarb (Imizol®, Carbesia®)

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 Betreff: Re: Erfahrungsbericht BABESIOSE
Posting Nummer:#2  BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 23:40 
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Hallo Claudia,

ich möchte dir danken dafür, dass du diesen Bericht über die Babesien-Erkrankung von Jason eingestellt hast.
Ich wünsche deinem Hund, dass er sich wieder vollständig von dieser heimtückischen Erkrankung erholen kann.





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 Betreff: Re: Erfahrungsbericht BABESIOSE
Posting Nummer:#3  BeitragVerfasst: Mi 25. Apr 2007, 09:16 
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hi,

ja, das ist das gäng. problem bei hiesigen tierklinkien - es tut mir leid, dass ihr dieses fiasko mitmachen mußten und vorallem dass es auf jason`s rücken ausgetragen werden mußte :(

nichts desto trotz gute besserung

liebe grüße
katrin


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 Betreff: Re: Erfahrungsbericht BABESIOSE
Posting Nummer:#4  BeitragVerfasst: Mi 25. Apr 2007, 12:27 
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Hallo Claudia,

das ist wirklich schier zum Verzweifeln. Gut, dass noch rechtzeitig behandelt wurde.
Ich wünsche euch alles Gute!!

viele Grüße
Elke


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 Betreff: Re: Erfahrungsbericht BABESIOSE
Posting Nummer:#5  BeitragVerfasst: Mi 25. Apr 2007, 20:52 
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Hallo,

wenn wir das schon mitmachen müssen, sollen wenigstens andere Hundebesitzer von dieser Erfahrung profitieren!

Anscheinend ist manchen Tierärzten noch nicht klar, daß sich die Mittelmeerkrankheiten nicht mehr auf den Mittelmeerraum beschränken.

Übrigens ist das Reiseprofil noch nicht vom Labor zurück, d. h. ein Blutbild liegt heute immer noch nicht vor. Man kann sich dieses Reiseprofil ganz klar sparen (kostet über 100 Euro). Bis die Laborbefunde da sind, ist der Hund tot (besonders, wenn man evtl. sogar noch 1 - 2 Tage auf das Imizol warten muß).

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