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 Betreff: Cauda Equina Untersuchungsmöglichkeiten von Heidi Heigel
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2005, 22:19 
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Nach meinem Beitrag, "Cauda Equina - aktualisiert: Von Beginn an bis zur Genesung", werde ich nun immer wieder privat kontaktiert und nach den verschiedenen diagnostischen Möglichkeiten und Untersuchungsmethoden gefragt. Deshalb nachstehend ein Überblick hierüber über die Untersuchungsmöglichkeiten bei Wirbelsäulenproblemen wie ich sie damals im web und in Büchern gefunden und bei Tierärzten hinterfragt habe.

Bitte berücksichtigt, das ich auch nur ein Patientenhalter und ein medizinischer Laie bin. Ich habe viele inquisitorische Fragen gestellt und was ich schreibe, ist das was ich verstanden habe. Ich habe mir diese Darstellung zwar von einem Tierarzt durchsehen lassen. Also ist sie sicher nicht falsch. Aber Ihr solltet es im Einzelfall schon selber nachfragen. Oder einfach ausdrucken, dem Tierarzt hinlegen und um Erklärungen bitten.

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Die verschiedenen Krankheitsbilder oder Symptome dieses Cauda Equina Compressions Syndromes gehen ja von der Wirbelsäule (Brust-, Hals-, und Lendenwirbelsäule) aus.
Im Inneren der Wirbelsäule, dem Spinalkanal, ist das Rückenmark. Das ist ein dicker Nervenstrang vom Gehirn bis zum zweiten Lendenwirbel, wo das Rückenmark endet. Das Rückenmark wird von einer harten Haut, der Dura mater umschlossen. Innen liegt dann die Spinngewebshaut an. Der Spaltraum dazwischen ist mit Rückenmark-Flüssigkeit, dem sog. Liquor gefüllt. Dieser fließt. Noch so ein Spaltraum ist zwischen Knochenhaut der Wirbelkörper und der Hirnhaut. Das ist der Epiduralraum. Der enthält Fett und Venengeflechte, und ist bei Wirbelsäulenbewegungen Polster und Verschiebeschicht zugleich.
Immer zwischen zwei Wirbelkörpern, direkt bei den Bandscheiben also, kommen einzelne Nerven raus und teilen sich in Äste auf. Die an der Halswirbelsäule austretenden Nerven bilden Bahnen bis in die Zehen der Vorderpfoten. Die aus den Zwischenwirbellöchern der Lendenwirbelsäule rauskommenden Nervenwurzeln bilden Bahnen, die bis in den Schwanz und die Zehen der Hinterpfoten gehen und z. B. auch den Ischiasnerv bilden.

Deshalb war Cora auch im Nov. 2004 wieder in Behandlung. Sie hat oft mitten in der Bewegung und im schönsten Toben nach einer bestimmten Stelle gebissen, als würde sie etwas pieken. Wir ließen es im Kernspinzentrum anläßlich der Kastration untersuchen und dort konnten wir den wirklich massiven Entzündungsherd deutlich sehen. Die Maus muß Hexenschuß gehabt haben, mit dem ein Mensch wohl nicht mehr gelaufen wäre. Kein Wunder, dass sie unterwegs keinen Spaß mehr hatte und andere Hunde nur noch übellaunig wegbiß. "Hexenschuß bei Hunden" - die armen Viecher haben wirklich viele Probleme der Menschen. Die minimal-invasive Behandlung wurde zweimal im Abstand von 2 Wochen direkt am entzündeten mittleren Abgang des Ischias angesetzt und bereits nach dem ersten Male ging's ihr prächtig.
Und jetzt die Untersuchungsmethoden:

1. Bewegungsproben um den Bewegungsapparat zu überprüfen:
a) Gangproben
mit schnellem Angehen aus dem "Sitz", weite und enge 8er-Laufen, schnelles und langsames Treppenlaufen, schnelle Stopps und Wendungen.
2) Bewegungsproben auf dem Behandlungstisch.
Die Glieder werden in verschiedene Richtungen gedehnt, überstreckt und gebeugt und dabei werden Schmerzreflexe und -reaktionen von den Zehen-spitzen bis in die Halswirbelsäule hinein festgestellt. Unser Haustierarzt, Dr. Rösch, hat mir auf meine penetranten Fragen bei den Bewegungsübungen im Stehen und Liegen auf dem Tisch mal recht widerwillig geantwortet. Er sagte, dies seien schmerzhafte Übungen, auf die Cora mit Schmerzäußerungen reagieren müsse. Kommen keine Schmerzreaktionen, liegt ein Verdacht auf "degenerative Myelopathie" vor. Eine unheilbare Erkrankung bei der die Nerven im Wirbelkanal langsam absterben. Dadurch kommt es zu Taubheit und Bewegungsbehinderung der Hinterhand und somit wiederum entsteht der Muskelschwund an den Hinterläufen, bei ansonsten völlig intakter Gesundheit des Hundes. Davon betroffenen Hunden kann man dann ein Wägelchen kaufen in das man die Hinterbeine einhängt; als Prothese sozusagen.

Bei bestimmten Beschwerdebildern werden die entsprechenden Zusatzuntersuchungen durchgeführt, um die Diagnose aus den Bewegungsproben zu untermauern:

I. Kontrastmittel-Myelographie als spezielles Röntgenverfahren zur Untersuchung des Wirbel- oder Spinalkanal.
Hierzu schreibt Herr Dr. Korthäuer von der Diensthundepraxis der Bundeswehr in Koblenz auf seiner Seite "www.diensthundepraxis.de" (23.11.04) folgendes:
Bei der Myelographie werden ca. 5 - 8 ml Kontrastmittel (beim DSH) in tiefer Vollnarkose im Nackenbereich in den flüssigkeitsgefüllten Hohlraum im Wirbelkanal appliziert. Nach ca. 5 Min. Einwirkzeit in aufrechter Position werden Serienaufnahmen der gesamten Wirbelsäule gefertigt. Die gleichzeitig entnommene Rückenmarkflüssigkeit wird im Labor untersucht (Eiweißgehalt, Zellzahl, Zytologie). Aus dem hiermit verbundenen Aufwand, wie auch der sorgfältigen Überwachung nach der Myelographie erklären sich die hohen Kosten für diese Untersuchung. Leider ist die Myelographie, auch bei sicherer technischer Beherrschung, eine Untersuchungstechnik mit einer relativ hohen Komplikationsrate (bis zu 0,5 % schwere, teilweise tödliche Komplikationen, ca. 20-30% Krampfanfälle bis mehrere Stunden nach der Untersuchung).
Die Myelographie wird zunehmend durch die MagnetResonanzTomographie (MRT) ersetzt, bei der keine Punktion des Wirbelkanals nötig ist.

II. Magnetresonanztomographie (MRT), bzw. Kernspintomographie = strahlungsfreie Untersuchungsmethode, die auf unschädlichen Magnetfeldern basiert. Die Kernspintomographie verdrängt deshalb immer mehr veraltete Untersuchungsmethoden, wie z. B. die Myelographie, da die Kernspintomographie ohne die Punktion von Wirbelsäule bzw. Spinalkanal durchgeführt wird oder auch das Röntgen, weil es beim MRT keine Strahlenbelastung gibt..
Die Kernspintomographie stellt die weichen Strukturen (Bandscheiben, Nerven, umgebenden Musku-latur, Tumore usw.) scharf dar und gibt auch Info z. B. über den Wassergehalt einzelner Bandscheiben. Was die Weichteile angeht, ist die Kernspin der Computertomografie deutlich über. Weil die Kernspintomographie ohne Verwendung Röntgenstrahlen auskommt, ist sie z. B. auch für tragende Hündinnen geeignet. Auf dem Bildschirm kann der Diagnostiker verdächtige Stellen mit der Maus anklicken und sie z. B. vergrößern oder ausmessen (Lineal drüberlegen) um sie genauer zu bestimmen. Wenn ihr den Scan am PC mitverfolgen dürft, seid ihr bestimmt ebenso fasziniert wie ich. Besser kann man eine Diagnose dem unbedarften Patientenhalter nicht vermitteln und erklären.

III. Computertomographie (CT) = spezielle Röntgenweise, die "Schnittbilder" macht. Wie beim Brotschneiden werden viele parallele Scheiben in mm-Dicke angefertigt. Der Ablauf ist wie folgt: Kontrastmittelinjizierung, der Hund wird in den Tomographen gefahren, Röntgenstrahler und Detektor rotieren im Tomografen um den Patienten. Dann werden parallele Scheiben angefertigt.
Die Bilder werden beim Befund dann zusammengesetzt und man erhält einen dreidimensionalen Eindruck der untersuchten Organe ohne Überlagerungen.

IV. Skelett- oder Knochenszintigraphie = Darstellung von Stoffwechselvorgänge, z. B. bei Entzündungen oder Tumoren im Knochenbereich, die dann erhöht sind. Man injiziert eine schwach radioaktive Substanz und verfolgt die Verteilung mit speziellen Scannerkameras. So macht man Veränderungen im Knochenbereich viel früher als mit Röntgenaufnahmen sichtbar.
V. Lumbale Liquoruntersuchung = Entnahme von Nervenwasser (Liquor), aus Gehirn oder Rückenmarkanal um Entzündungen oder Tumore festzustellen. Man schiebt unter Lokalanästhesie eine dünne Nadel in den Kanal und entnimmt Liquor.

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Mittlerweile wurde mir an ganz verschiedenen Stellen gesagt, die Myelographie sei eine total veraltete Diagnostikmethode, die man aufgrund der Risiken bei Menschen schon seit Jahren nicht mehr anwendet. Konservative Tierärzte bestehen heute noch darauf, da sie sie selbst durchführen können und sie verteidigen diese Methode als "langjährig und bewährt", die Kernspintomographie dagegen als neumodisches Teufelszeug.

Durch das Kontrastmittel im Wirbelkanal werden Unterbrechungen / Verengungen des Wirbelkanals und die Stelle der Unterbrechung / Verengung sichtbar. Das läßt diagnostische Rückschlüsse zu und untermauert einen neurologischen Befund anhand von Bewegungsproben. Doch viel mehr gibt das Myelogram nicht her. Schwellungen, Entzündungen, von Nervensträngen, Bänderverdickungen, degenerative Veränderungen (Spondylosen), Entzündungen der Zwischenwirbelscheiben, das alles siehst du nicht. Dazu braucht es dann die Kernspintomographie. Doch diese zeigt die Unterbrechungen bzw. Verengungen im Wirbelkanal ebenfalls deutlich auf.

Wozu also das Myelogram? Doppelt genäht hält besser? Doppelt kassiert ist auch nicht schlecht?
Schon verständlich, aber dafür zwei Vollnarkosen und hierdurch zweimal enorme Belastung für den Hund? Ist das wirklich medizinisch und diagnostisch notwendig, oder vielleicht doch nicht? Muß man dem Hund diese körperliche und dem Halter diese finanzielle Belastung wirklich zumuten ??

Mein Vorschlag an die Patientenhalter: Bittet um eine genaue und für Laien verständliche Erklärung dessen, was das Myelogram aufzeigen soll, was der Kernspinscan nicht auch aufzeigt. Und wenn danach die absolute Notwendigkeit nicht hundertprozentig klar sein sollte, dann lehne das Myelogram ab. Vermutlich könnt ihr euch die Zusatzkosten sparen. Die Ärzte werden allerdings wenig begeistert sein, denn inquisitorische Fragen oder gar Einspruch / Widerspruch seitens der Patientenhalter sind nicht vorgesehen !!


_________________
Liebe Grüße Caro

www.carolapier-tiertherapie.de


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