Hundefreunde Community Yorkie-RG

Herzlich willkommen in der Hundecommunity von Yorkie-rg.net
Aktuelle Zeit: Mo 20. Nov 2017, 21:16


Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 14 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: Sa 27. Mai 2006, 19:52 
Offline
Moderatorin
Moderator|Moderator|Moderatorin
Benutzeravatar

Registriert: Do 25. Nov 2004, 01:33
Beiträge: 4341
Themen: 569
Bilder: 33
Wohnort: Hessen
Geschlecht: Weiblich
Nationalität: Deutschland
Hunderasse/n: Westerwälder Mix + Australien Shepherd
Hallo Yorkie´s

Ich war am 16./17.05. auf einem Seminar von Fr. Dr. Quandt (ausgerichtet von der Hundeakademie Perdita Lübbe) zum Thema "Organische Ursachen von Verhaltensproblemen".

Das Fazit vorweg: sehr interessant und unbedingt empfehlenswert :top !

Mit freundlicher Genehmigung von Fr. Dr. Quandt ein kurzer (unvollständiger) Überblick.
[hr]
Organische Ursachen von Verhaltensprobleme können z.B. sein:

  1. Entwicklungsschäden am Gehirn (z.B. Deprivationssyndrom) / Gehirnerkrankungen
  2. Hormonell bedingte Probleme
  3. Schmerzleiden
  4. Akute Entzündungen, z. B. Analbeutelentzündung
  5. Herzerkrankungen
  6. Störungen des Seh- und Hörvermögens (bedingt durch Rasse, Alter, Krankheit...)
    [/list=1]

    An organische bedingte Ursachen von Verhaltensproblemen sollte immer gedacht werden, bei:

    • Angst
    • Aggression
    • Störung der Erregungskontrolle
    • Widersetzlichkeiten (Hund weigert sich in bestimmten Situationen Befehle auszuführen oder weigert sich immer bestimmte Befehle zu befolgen)
    • Konzentrationsprobleme
    • Gestörtes Lernverhalten
    • Unsauberkeit
    • plötzliche Verhaltensänderungen ohne erkennbaren Grund
    • Verhaltensänderungen bei Hunden jenseits der sozialen Reife
    • Problemverhalten wird ohne erkennbaren Auslöser gezeigt
    • Problemverhalten wird bei adäquatem Auslöser in nicht angemessener Intensität gezeigt
    • Problemverhalten endet plötzlich, als würde ein Schalter umgelegt
    • Hund wirkt nach Beendigung des Problemverhaltens erstaunt oder verwirrt[/list]

      Je nach Untersuchung und Einschätzung, liegen bei 30 – 70 % der Verhaltensprobleme organische Ursachen zugrunde.

      1. Entwicklungsschäden am Gehirn / Gehirnerkrankungen

      Bei den Gehirnerkrankungen wären Hirntumore zu nennen, aber auch Folgen von Infektionskrankheiten wie Staupe, Borreliose, Ehrlichiose, Neosporose und Tollwut.
      Bedeutsam sind aber auch Hirnentwicklungsstörungen die vorgeburtlich oder in der Welpen-/Junghundzeit stattfanden, sowie traumatisch bedingte Störungen.

      Die häufigste Hirnentwicklungsstörung ist das sog. Deprivationssyndrom:

      Die ersten drei Lebensmonate sind bei Hunden von entscheidender Bedeutung. In dieser Zeit findet ein starkes Hirnwachstum und die "Eichung" des Gehirns statt. Es ist daher von großer Bedeutung, den Tieren ausreichend "Input" (Sozialisation an diverse verschiedene Hunde und Menschen; Habituation, d.h. Gewöhnung an möglichst viele Umweltreize) zu liefern, um die weitere Bildung von Gehirnzellen sowie ausreichender Vernetzungen zwischen den Zellen zu stimulieren und die chemischen Abläufe zu strukturieren.

      Ein Deprivationssyndrom entsteht z.B. bei mehr oder weniger isoliert aufgewachsenen Tieren. Bei diesen Tieren wurde festgestellt, dass sie organische Schäden am Gehirn hatten. Vorrangig waren Veränderungen im Stirnhirn feststellbar. Das Stirnhirn reguliert (im Zusammenspiel mit der Amygdala) u.a. das Sozialverhalten sowie die Stressbewältigung.
      Deprivierte Tiere haben eine hohe Neigung zu Angsterkrankungen, Stereotypien und Selbstbeschädigungsverhalten. Sie haben ein gestörtes Lernverhalten, was es schwierig macht, solche Hunde zu trainieren.
      Schätzungen zu Folge haben ca. 20 – 30 % der Hundepopulation mehr oder weniger deutliche Deprivationserscheinungen.

      Ein anderes Problem entsteht durch übervorsorgliche Züchter:
      Normalerweise erlernen die Welpen sehr früh, dass sie sich, um Erfolge zu erzielen, anstrengen müssen (Motivationskontrollkreis). Beispielweise muss ein hungriger Welpe die Zitze suchen und saugen oder ein frierender Welpe muss die Wärme suchen.
      Bei Hunden von Züchtern, die schon Saugwelpen unnötig zufüttern oder für gleichmäßig hohe Temperaturen im Welpenzimmer sorgen, besteht die Gefahr, dass die Welpen nicht lernen, sich für etwas anzustrengen. Sie sind später nur sehr schwer zu motivieren und haben eine sehr niedrige Frustrationsschwelle.

      2. Hormonelle Probleme

      Hier ist (natürlich ;) ) die Schilddrüsenunterfunktion beim Hund an erster Stelle zu nennen: sie ist vermutlich die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Hunden.
      Der Einfachheit halber verweise ich auf die Info´s hier im Forum: Schilddrüsenunterfunktion: Diskussions- und Info-Bereich – auch wenn seitens Frau Dr. Quandt sehr detailliert auf tiefer gehende Fragen eingegangen wurde (vielen Dank noch mal!).

      Weitere hormonell bedingte Störungen können in Bezug auf die Sexualhormone auftreten.

      Besteht bei einem Rüden der Verdacht auf Testosteron-bedingte Verhaltensprobleme sollte Testweise eine chemische Kastration durchgeführt werden. Dies sollte mittels Antiandrogenen und nicht durch Gestagene erfolgen. Neuerdings ist auch ein Implantat auf dem Markt, welches die Kastration für ca. 6 Monate simuliert (inkl. Hodenverkleinerung).
      Eine Bestimmung des Testosteronspiegels zur Abschätzung des Testosteron-bedingten Verhaltens ist wenig aussagefähig.
      Zu beachten ist, dass sich durch eine Kastration nur das sexuell geprägte Verhalten ändert. Das Verhalten z.B. gegenüber dem Besitzer ändert sich nicht.

      Bei Hündinnen sind sexual-hormon-bedingte Aggressionen nur auf kurze Phasen im Jahr beschränkt: entweder im Verlauf der (Schein-)Trächtigkeit, (Schein-)Geburt und (Schein-)Aufzucht oder während der Läufigkeit.
      Naturgemäß ist daher die verhaltensverändernde Auswirkung einer Kastration bei Hündinnen stark begrenzt.

      Erwähnenswert ist, dass das Risiko einer Inkontinenz bei Hündinnen durch Kastration lediglich um rd. 3 % steigt.

      3. Schmerzleiden (akut / chronisch)

      Akute Schmerzen werden i.d.R. vom Tierhalter oder zumindest vom Tierarzt erkannt.

      Anders bei chronischen Schmerzen. Ursache chronischer Schmerzen können z.B. sein:

      • Arthrose an verschiedenen Gelenken (HD, Ellbogen, Kniegelenk...)
      • Wirbelsäulen-Probleme
      • Zähne: Zahnschmerzen, Zahnstein
      • Ohren[/list]

        Die Reaktion auf Schmerz ist ein Reflex und daher nicht (oder kaum) steuerbar!!

        Ist ein Schmerz stark genug, reicht eine negative Erfahrung, um diese Situation nachhaltig zu verknüpfen. Daher sollten schmerzhafte Behandlungen beim Tierarzt unbedingt unter Narkose durchgeführt werden.

        Typisch bei Dauerschmerzen ist ein Schmerzgesicht: eine dauernde und starke Verkrampfung der Gesichtmuskulatur.

        Kopfschmerzen äußern sich z.B. dadurch, dass der Kopf auf den Untergrund oder gegen eine Wand gedrückt wird.

        5. Herzerkrankungen

        Besonders bei großen oder sehr großen Rassen treten Herzerkrankungen häufig auf. Sie sind aber auch in Verbindung mit anderen Erkrankungen, z.B. der Schilddrüsenunterfunktion, zu finden.
        Kennzeichen sind u.a. eine verminderte Leistungsfähigkeit.

        Bei Hunden mit Bluthochdruck liegt eine verminderte Erregungskontrolle vor. Die Hunde brauchen danach relative lange, um sich wieder abzuregen.
        Bei Hunden mit Schilddrüsenunterfunktion kann durch diese Reaktion eine falsche Interpretation der erforderlichen Dosierung der Schilddrüsenhormone erfolgen.
        Anzeichen für hohen Blutdruck sind (u.a.): ein "roter" Kopf (Schleimhäute, Ohren) und hervorquellende Augen.

_________________
Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
Bild


Nach oben
 Profil Persönliches Album Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: Re: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#2  BeitragVerfasst: Sa 27. Mai 2006, 20:48 
Offline
Alter Hase
Benutzeravatar

Registriert: Mi 10. Mär 2004, 18:15
Beiträge: 551
Themen: 36
Wohnort: Bad Aibling
Geschlecht: Männlich
Hunderasse/n: Dalmatiner
Hallo Bea,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich finde den recht interessant.

Ich habe nur mit einer Aussage ein Problem:

Zitat:
Erwähnenswert ist, dass das Risiko einer Inkontinenz bei Hündinnen durch Kastration lediglich um rd. 3 % steigt.

Hier gibt es auch ganz andere Beobachtungen und Erfahrungen.

Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin
Harninkontinenz bei der Hündin


Die Inkontinez auf Grund der Kastration kann rassebeding und körpergrößenabhängig verstärkt auftreten.

Ich habe mal in einem Dalmatinerforum eine Umfrage zu diesem Thema gemacht. 30% der 18 kastrierten Hündinnen waren mehr oder weniger stark von der Inkontinenz betroffen. Der obengenannte Bericht wurde damit ziemlich genau bestätigt.

Die Äußerung, dass nur eine 3% Risikosteigerung besteht, halte ich für gewagt. Das Risiko wird hier ein wenig zu gunsten einer bedenkenlosen Kastration verklärt.


_________________
Ich wünsche allen noch einen schönen Tag.

Liebe Grüße
Nils

Treffen und Wanderungen by Dalmi and Friends Chiemgau


Zuletzt geändert von widow_s_cruse am Sa 27. Mai 2006, 20:56, insgesamt 2-mal geändert.

Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: Re: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#3  BeitragVerfasst: Sa 27. Mai 2006, 22:06 
Offline
Moderatorin
Moderator|Moderator|Moderatorin
Benutzeravatar

Registriert: Do 25. Nov 2004, 01:33
Beiträge: 4341
Themen: 569
Bilder: 33
Wohnort: Hessen
Geschlecht: Weiblich
Nationalität: Deutschland
Hunderasse/n: Westerwälder Mix + Australien Shepherd
Hallo widow_s_cruse

Um deine durchgeführte Umfrage auf reale Beine zu stellen, müsstest du die gleiche Umfrage in Bezug auf unkastrierte Hündinnen machen.
Zudem müsste jeweils die genaue Ursache der Inkontinenz ermittelt werden.
Ursachen gibt´s es ja viele – und nicht alle stehen mittelbar in Verbindung zur Kastra.

Was mir in der von dir benannten Quelle fehlt – sind die Quellen/Nachweise/Statistiken..... ;) Kann ich dir zwar zu den Aussagen von Dr. Quandt auch nicht liefern. Aber:
Da Dr. Quandt insgesamt den Eindruck erweckte, dass sie ungern etwas verbreitet, was sie nicht belegen kann, andererseits aber ein großes Interesse an der Aufdeckung von nicht wirklich belegbaren "Mythen" hat.... Nun ja – eben deswegen hatte ich es ja mit aufgenommen ;) .

_________________
Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
Bild


Nach oben
 Profil Persönliches Album Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: Re: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#4  BeitragVerfasst: So 28. Mai 2006, 09:48 
Offline
Alter Hase
Benutzeravatar

Registriert: Mi 10. Mär 2004, 18:15
Beiträge: 551
Themen: 36
Wohnort: Bad Aibling
Geschlecht: Männlich
Hunderasse/n: Dalmatiner
Hallo Bea,

ich gehe mal davon aus, dass unsere Ansichten über das Thema Kastration nicht allzu weit auseinander liegen. :o

Ich bin nicht generell gegen die Kastration. Aber bei der Entscheidung für die Kastration sind die Risiken und Ziele der Umsetzung sehr genau abzuwägen.

Wenn Du aber vielleicht einmal erleben solltest, wie eine Hündin unter Inkontinenz leidet, wird wohl möglich Dein Blickwinkel zu dem meist genannten Sinn und Zweck der Entscheidung für die Kastration kritischer werden und läßt Dich mit dem "Mythos" anders umgehen.

Eine öffentlich ausgesprochene Empfehlung pro Kastration mit einer beschönigenden Aussage über die Risiken läßt mich inzwischen aufmucken. :p

_________________
Ich wünsche allen noch einen schönen Tag.

Liebe Grüße
Nils

Treffen und Wanderungen by Dalmi and Friends Chiemgau


Zuletzt geändert von widow_s_cruse am So 28. Mai 2006, 12:35, insgesamt 2-mal geändert.

Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: Re: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#5  BeitragVerfasst: So 28. Mai 2006, 13:41 
Offline
Moderatorin
Moderator|Moderator|Moderatorin
Benutzeravatar

Registriert: Do 25. Nov 2004, 01:33
Beiträge: 4341
Themen: 569
Bilder: 33
Wohnort: Hessen
Geschlecht: Weiblich
Nationalität: Deutschland
Hunderasse/n: Westerwälder Mix + Australien Shepherd
Hi
Zitat:
Eine öffentlich ausgesprochene Empfehlung pro Kastration mit einer beschönigenden Aussage über die Risiken läßt mich inzwischen aufmucken.

Habe ich da was überlesen?
Ich habe lediglich geschrieben, dass die Aussage, dass Hündinnen ein deutlich höheres Inkontinenzrisiko nach einer Kastra haben, so nicht von allen geglaubt und vertreten wird. Das hat nichts mit pro/contra Kastra oder gar einer öffentlich ausgesprochene Empfehlung zu tun.

Zitat:
Wenn Du aber vielleicht einmal erleben solltest, wie eine Hündin unter Inkontinenz leidet, wird wohl möglich Dein Blickwinkel zu dem meist genannten Sinn und Zweck der Entscheidung für die Kastration kritischer werden und läßt Dich mit dem "Mythos" anders umgehen.

Hatte ich schon..... ;(

Zitat:
ich gehe mal davon aus, dass unsere Ansichten über das Thema Kastration nicht allzu weit auseinander liegen.

Meine bescheidene Meinung ist bei meinen "gebrauchten" TH-Hunden ohnehin egal.... :crazy

_________________
Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
Bild


Nach oben
 Profil Persönliches Album Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: RE: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#6  BeitragVerfasst: So 28. Mai 2006, 15:45 
Offline
Alter Hase
Benutzeravatar

Registriert: Mi 10. Mär 2004, 18:15
Beiträge: 551
Themen: 36
Wohnort: Bad Aibling
Geschlecht: Männlich
Hunderasse/n: Dalmatiner
Hallo Bea, :g

Zitat:
Original geschrieben von BeaSin
Das hat nichts mit pro/contra Kastra oder gar einer öffentlich ausgesprochene Empfehlung zu tun.
...gut. Dann haben wir ja mein Problem gelöst und niemand weiteres kann meinem Missverständnis erliegen. ;)

_________________
Ich wünsche allen noch einen schönen Tag.

Liebe Grüße
Nils

Treffen und Wanderungen by Dalmi and Friends Chiemgau


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: RE: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#7  BeitragVerfasst: Mo 29. Mai 2006, 09:16 
Offline
Member
Member
Benutzeravatar

Registriert: So 1. Feb 2004, 14:12
Beiträge: 2742
Themen: 111
Bilder: 1
Geschlecht: Männlich
Hallo Bea,

danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, das für uns aufzuschreiben.

Zitat:
Original geschrieben von BeaSin

Je nach Untersuchung und Einschätzung, liegen bei 30 – 70 % der Verhaltensprobleme organische Ursachen zugrunde.
Wessen Einschätzung an welchen Hunden?
Und wenn ein Hund unter bestimmten Situationen einen Befehl nicht ausführt, ist das in meinen Augen noch lange kein Verhaltensproblem. Oft ist es einfach tierische Intelligenz.

Zitat:


1. Entwicklungsschäden am Gehirn / Gehirnerkrankungen
Bei den Gehirnerkrankungen wären Hirntumore zu nennen, aber auch Folgen von Infektionskrankheiten wie Staupe, Borreliose, Ehrlichiose, Neosporose und Tollwut.
Tollwut??? Wo ist die in den letzen 20 Jahren in Deutschland an einem Hund aufgetreten (der dann sowieso eingeschläfert wird)?
Hirntumore werden sehr gern genannt. B. Schönung nennt sie eine beliebte Ausrede, die mit maximal 1% der Fälle vertreten ist. Mir ist in meiner Umgebung bisher nur ein Hund bekannt geworden, der nachweislich einen Hirntumor hatte. Aber dessen Verhalten war auffallend bizarr.

Zitat:
Bedeutsam sind aber auch Hirnentwicklungsstörungen die vorgeburtlich oder in der Welpen-/Junghundzeit stattfanden, sowie traumatisch bedingte Störungen.
Diese Wahrscheinlichkeit ist ungleich größer als die oben genannten.

Zitat:
Die häufigste Hirnentwicklungsstörung ist das sog. Deprivationssyndrom:

Die ersten drei Lebensmonate sind bei Hunden von entscheidender Bedeutung. In dieser Zeit findet ein starkes Hirnwachstum und die "Eichung" des Gehirns statt. ... ausreichend "Input" ..., um die weitere Bildung von Gehirnzellen sowie ausreichender Vernetzungen zwischen den Zellen zu stimulieren und die chemischen Abläufe zu strukturieren.

... das Sozialverhalten sowie die Stressbewältigung.
Deprivierte Tiere haben eine hohe Neigung zu Angsterkrankungen, Stereotypien und Selbstbeschädigungsverhalten. Sie haben ein gestörtes Lernverhalten, was es schwierig macht, solche Hunde zu trainieren.
Schätzungen zu Folge haben ca. 20 – 30 % der Hundepopulation mehr oder weniger deutliche Deprivationserscheinungen.
Der Hundepopulation auf der Welt, in den USA, in Europa oder in Deutschland?
Mein ganz persönlicher Eindruck ist, dass es sich da in den letzen 20 Jahren deutlich zum besseren gewendet hat.

Zitat:

Ein anderes Problem entsteht durch übervorsorgliche Züchter:
Normalerweise erlernen die Welpen sehr früh, dass sie sich, um Erfolge zu erzielen, anstrengen müssen ....... und haben eine sehr niedrige Frustrationsschwelle.
B.Schöning schreibt hierzu in ihrem Buch Hundeverhalten "Wer im Paradies aufwächst, kann nur im Paradies leben."

Zitat:
Weitere hormonell bedingte Störungen können in Bezug auf die Sexualhormone auftreten.

Besteht bei einem Rüden der Verdacht auf Testosteron-bedingte Verhaltensprobleme
Zu beachten ist, dass sich durch eine Kastration nur das sexuell geprägte Verhalten ändert. Das Verhalten z.B. gegenüber dem Besitzer ändert sich nicht.
Diese Aussagen sind in meinen Augen alle mit großen Vorbehalten zu sehen, werden doch Hunde vor und nach der Kastration beurteilt, ohne das ein Vergleich mit dem anderen Weg möglich wäre. Wann z.B. ist ein Verhalten sexuell geprägt? Sieht man das locker von außen?
Die einzigen Zahlen, die irgendetwas aussagen, sind die Statistiken über Beißvorfälle unkastrierter und kastrierter Hunde bezogen jeweils auf deren Gesamtzahl (z.B. in der Praxis eines Tierarztes). Bei diesen Statistiken kommt ziemlich klar heraus, dass unkastrierte deutlich größere Beißtendenzen zeigen als kastrierte. (*)

Zitat:
Bei Hündinnen sind sexual-hormon-bedingte Aggressionen nur auf kurze Phasen im Jahr beschränkt: entweder im Verlauf der (Schein-)Trächtigkeit, (Schein-)Geburt und (Schein-)Aufzucht oder während der Läufigkeit.
Naturgemäß ist daher die verhaltensverändernde Auswirkung einer Kastration bei Hündinnen stark begrenzt.
Aber gerade bei Hündinnen scheint es ziemlich zweifelsfrei fest zu stehen, dass der Testosteronspielgel eine deutliche Rolle spielt. Neigt die Hündin schon vor der Pubertät zu aggressivem Verhalten, ist von einer Katration abzuraten. Dieses Verhalten wird allenfalls verstärkt.

Gruß R.

(*)W.H. Stammwitz Diss. "Untersuchungen zu Ursache, Lokalisation, Therapie und Prognose von Bissverletzungen beim Hund" THS-Hannover 2005

_________________
Es ist ein aufwändiger Prozess, von einer Dummheit zur nächsten umzulernen.
Georg Christoph Lichtenberg


Zuletzt geändert von Renegat am Mo 29. Mai 2006, 10:53, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil Persönliches Album Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: Re: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#8  BeitragVerfasst: Mo 29. Mai 2006, 09:51 
Offline
SDU
SDU
Benutzeravatar

Registriert: Do 13. Jan 2005, 14:48
Beiträge: 300
Themen: 17
Wohnort: Haltern am See
Geschlecht: Weiblich
Hunderasse/n: DSH
Hallo Renegat,
da hat sich bei dir ein kleiner Fehler eingeschlichen:
Zitat:
dass unkastrierte deutlich größere Beißtendenzen zeigen als unkastrierte.

Das Letzte müsste kastriert heissen, oder?

Gruß
Biggi


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: Re: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#9  BeitragVerfasst: Mo 29. Mai 2006, 10:04 
Offline
Moderatorin
Moderator|Moderator|Moderatorin
Benutzeravatar

Registriert: Do 25. Nov 2004, 01:33
Beiträge: 4341
Themen: 569
Bilder: 33
Wohnort: Hessen
Geschlecht: Weiblich
Nationalität: Deutschland
Hunderasse/n: Westerwälder Mix + Australien Shepherd
Hi Renegat

Zitat:
Wessen Einschätzung an welchen Hunden?
Und wenn ein Hund unter bestimmten Situationen einen Befehl nicht ausführt, ist das in meinen Augen noch lange kein Verhaltensproblem. Oft ist es einfach tierische Intelligenz.

Verschiedener Untersuchungen (deswegen schwanken ja auch die Zahlen so riesig) bezogen auf Deutschland und England (glaub ich...).

Die Verweigerung von Befehlen fällt nur insoweit darunter, wie der Hund taub ist ;)

Zitat:
Tollwut???

War nur ein Beispiel..

Zitat:
Hirntumore werden sehr gern genannt. B. Schönung nennt sie eine beliebte Ausrede, die mit maximal 1% der Fälle vertreten ist.

Deckt sich mit den Ansichten Dr. Quandts.

Zitat:
Aber gerade bei Hündinnen scheint es ziemlich zweifelsfrei fest zu stehen, dass der Testosteronspielgel eine deutliche Rolle spielt. Neigt die Hündin schon vor der Pubertät zu aggressivem Verhalten, ist von einer Katration abzuraten. Dieses Verhalten wird allenfalls verstärkt.

Ja – sagte Fr. Dr. Quandt auch: ist der Testosteronspiegel der Hündin zu hoch, DANN neigen sie zu vermehrten Aggressionen nach der Kastra (ansonsten nicht).


_________________
Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
Bild


Nach oben
 Profil Persönliches Album Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
 Betreff: RE: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen
Posting Nummer:#10  BeitragVerfasst: Mo 29. Mai 2006, 10:59 
Offline
Member
Member
Benutzeravatar

Registriert: So 1. Feb 2004, 14:12
Beiträge: 2742
Themen: 111
Bilder: 1
Geschlecht: Männlich
Hallo Biggi,

Zitat:
Original geschrieben von Biggi

da hat sich bei dir ein kleiner Fehler eingeschlichen:
Zitat:
dass unkastrierte deutlich größere Beißtendenzen zeigen als unkastrierte.

Das Letzte müsste kastriert heissen, oder?
Ja, danke für den Hinweis. Ich habe es im Text korrigiert und noch eine Quellenangabe eingefügt.

Gruß R.

_________________
Es ist ein aufwändiger Prozess, von einer Dummheit zur nächsten umzulernen.
Georg Christoph Lichtenberg


Nach oben
 Profil Persönliches Album Position des Users auf der Mitgliederkarte  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 14 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
Infos zur Paypal -Forenspende





Geschützt durch Anti-Spam ACP

© 2004 - 2015 by Peter Rück    Impressum

"

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de