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 Betreff: (Subklinische) primäre Schilddrüsenunterfunktion
Posting Nummer:#1  BeitragVerfasst: Do 22. Mär 2007, 15:40 
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Schilddrüsenunterfunktion beim Hund wird mehr und mehr ein Schlagwort für Hunde, die etwas schwieriger sind und / oder deutliche Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Aber was ist überhaupt eine Schilddrüsenunterfunktion? Wie kann sie diagnostiziert werden und wie wird sie behandelt?

Nachfolgend ein kurzer Überblick über die Thematik.

1. Die Schilddrüse
2. Die Schilddrüsenhormone und ihre Funktion
3. Schilddrüsenerkrankungen
4. Die Subklinische Schilddrüsenunterfunktion
5. Verhaltensprobleme durch Schilddrüsenunterfunktion
6. Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion
7. Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion
8. Weitere Informationen

Die Schilddrüse

Die Schilddrüse ist bei Hunden (wie bei allen Säugetieren) ein Organ im Bereich des Halses. Die Schilddrüse nimmt Jod aus der Nahrung auf, baut es in die Schilddrüsenhormone ein und speichert es so gebunden in der Schilddrüse. Die Schilddrüsenhormone werden je nach Bedarf freigesetzt.

Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen wird bei einer gesunden Schilddrüse in einem Regelkreis auf die jeweiligen Körperbedürfnisse abgestimmt. Wesentliche Bestandteile dieses Regelkreises sind die übergeordneten Hirnregionen des Hypothalamus und der Hypophyse. Die einzelnen Komponenten des Regelkreises, also Hypothalamus – Hypophyse – Schilddrüse, beeinflussen sich gegenseitig, d.h. es findet eine negative Rückkopplung statt:

Der Hypothalamus gibt das Hormon TRH ab, welches die Hypophyse zur Ausschüttung von TSH anregt. TSH regt wiederum die Schilddrüse zur Bildung und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen (T3 und T4) an. Die Schilddrüsenhormone wirken auf den Hypothalamus zurück und bremsen die Produktion von TRH. Ebenso wirkt TSH hemmend auf die TRH-Ausschüttung.

TRH = Thyrotropin-releasing Hormon
TSH = Thyreotropin

Die Schilddrüsenhormone und ihre Funktion

Die Schilddrüse bildet im Wesentlichen die Hormone T4 und T3.
T4 = Thyroxin
T3 = Trijodthyronin

In der Regel werden ca. 80 % T4 in der Schilddrüse gebildet und ausgeschüttet und dementsprechend nur rund 20 % T3. Das Verhältnis des gebildeten und freigegebenen T4 : T3 ist also rund 80 : 20. Dieses Verhältnis ist aber von zahlreichen Faktoren abhängig.

Die ausgeschütteten Hormone werden mit dem Blut zu den jeweiligen Organen, in denen sie wirken (Zielorgane), befördert. Zum Bluttransport werden sie an Trägerproteine gebunden.
Nur ein geringer Anteil der ausgeschütteten Schilddrüsenhormone liegt ungebunden (frei) im Blut vor.

Die Bildung von T3 erfolgt am bzw. im Zielorgan aus T4. Je nach Autor wird dem T4 daher keine oder nur eine geringe biologische Wirkung zugesprochen. Häufig wird T4 auch als Transportform von T3 bezeichnet.

Die Schilddrüsenhormone
  • steigern den Grundumsatz, haben also stoffwechselanregende Wirkung
  • dadurch steigern sie die Körpertemperatur
  • und steigern zudem die Herzfrequenz und die Herzschlagkraft.
  • Sie wirken am Aufbau der Skelettmuskulatur mit
  • und fördern das Wachstum und die Reifung des zentralen Nervensystems.
  • Sie wirken bei Wachstumsvorgängen mit
  • und spielen aufgrund ihrer stoffwechselaktivierenden Wirkung eine Rolle bei Stressreaktionen.

Ein Hormonmangel wirkt sich in allen Bereichen des Körpers aus. Deutlich erkennbar ist er in schnell wachsenden Geweben, wie der Haut und den Haaren. Für Schilddrüsenunterfunktion typisch ist einen „Aufschwämmung“ und / oder Schwarzfärbungen der Haut, sowie Fellverluste, frühzeitiges Ergrauen, stumpfes Fell.

Schilddrüsenerkrankungen

Man unterscheidet zwischen:
Euthyreoter Schilddrüse = eine gesunde Schilddrüse
Hypothyreote Schilddrüse = Schilddrüsenunterfunktion
Hyperthyreote Schilddrüse = Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüsenüberfunktion tritt selten bei Hunden auf und wenn, dann meist in Zusammenhang mit krebsartigen Tumoren der Schilddrüse.

Schilddrüsenunterfunktionen stellen bei Hunden eine der häufigsten Hormonerkrankungen dar. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion stehen dem Körper zuwenig Schilddrüsenhormone zur Verfügung. Je nachdem welche Ursache der Hormonmangel letztendlich hat, wird unterschieden zwischen:

Primärer Schilddrüsenunterfunktion: hierbei produziert die Schilddrüse zuwenig Hormone. Ursache ist häufig eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem des Körpers die Schilddrüse angreift und diese zerstört. In diesem Fall sind häufig Antikörper gegen die Proteine der Schilddrüse zu finden (TAK = Thyreoglobulin-Antikörper). Bei fortschreitender Krankheit treten sie jedoch nicht mehr auf, da die Schilddrüse völlig zerstört ist und kein Thyreoglobulin mehr enthält. Teilweise liegen aber TAK vor, ohne das eine Erkrankung der Schilddrüse besteht.

Sekundärer Schilddrüsenunterfunktion: die Ursache der Schilddrüsenunterfunktion ist in der Hypophyse begründet. Zum Beispiel in einem Tumor, der die TSH-Bildung verhindert. Hier ist auch das Cushing-Syndrom einzuordnen.

(Tertiärer Schilddrüsenunterfunktion: die Ursache liegt im Hypothalamus. Diese Form ist bei Hunden selten.)

Nicht Schilddrüsenbedingter Krankheiten: Stress, Medikamente, bestimmte Krankheiten können unter anderem ebenfalls zu niedrigen Schilddrüsenhormonwerten führen.

Im allgemeinen versteht man unter „Schilddrüsenunterfunktion“ die primäre Schilddrüsenunterfunktion. Bei allen nicht primären Schilddrüsenerkrankungen ist die eigentlich zugrundeliegende Ursache zu behandeln.

Die Subklinische Schilddrüsenunterfunktion

Die sogenannte subklinische Schilddrüsenunterfunktion ist der Beginn einer Schilddrüsenunterfunktion. Bei einigen Hunden machen sich bereits geringfügige Hormonänderungen sehr stark bemerkbar, so dass bereits in diesem Stadium starke Verhaltensänderungen (siehe unten) und häufig unspezifische Krankheitssymptome und / oder Krankheiten auftreten.

Leider lässt sich die subklinische Schilddrüsenunterfunktion nur sehr schwer allein anhand der Blutwerte eindeutig diagnostizieren bzw. gegenüber anderen Ursachen abgrenzen. So treten aufgrund von Stress oder unsachgemäßer Erziehung häufig ähnliche Probleme auf, wie sie aufgrund der subklinischen Schilddrüsenunterfunktion auftreten.

Die Blutwerte bei einer beginnenden Schilddrüsenunterfunktion sind zunächst noch innerhalb der Referenzwerte, allerdings deutlich im unteren Drittel.

Verhaltensprobleme durch Schilddrüsenunterfunktion

Hunde mit einer Schilddrüsenunterfunktion sind häufig lethargisch, antriebslos, träge. Meist haben sie deutliches Übergewicht.

Bereits in älterer Literatur werden folgende typischen Verhaltensauffälligkeiten aufgezählt:
  • plötzliche, "unprovozierte" Aggression
  • Reizbarkeit
  • Interesselosigkeit, Apathie, Lethargie (Antriebsschwäche)
  • Trägheit, Abgestumpftheit, Emotionsarmut
  • vermehrtes Schlafbedürfnis

In neuerer Literatur werden insbesondere bei Beginn einer Schilddrüsenunterfunktion auch angeführt:
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Stimmungsschwankungen, Launenhaftigkeit, Unberechenbarkeit
  • Angst, Phobien, Ängstlichkeit
  • Tunnelblick, Unansprechbarkeit
  • Stressanfälligkeit, geringe Stresstoleranz

Besonders bei sich plötzlich änderndem Verhalten, für welches ansonsten keine Erklärung gefunden werden kann, sollte an eine Schilddrüsenunterfunktion gedacht werden. Besonders betroffen sind Hunde im Alter zwischen 2 bis 6 Jahren. Je älter der Hund ist, desto weiter ist im Fall der Fälle meist die Schilddrüsenerkrankung fortgeschritten. Das heißt im Umkehrschluss, dass bei jungen Hunden im Falle einer Schilddrüsenerkrankung häufig lediglich eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion feststellbar ist.

Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion

Die Diagnose einer klinischen Schilddrüsenunterfunktion (also einer fortgeschrittenen Schilddrüsenunterfunktion mit bereits deutlich erkennbaren klinischen Symptomen) kann häufig eindeutig anhand der T4- und TSH-Werte erfolgen. Aufgrund der deutlichen Symptome, wie Fellprobleme, Fettleibigkeit etc., werden die wenigsten Tierärzte bei der Diagnose Probleme haben.

Bei einer beginnenden (= subklinischen) Schilddrüsenunterfunktion hingegen bestehen erhebliche Probleme in der eindeutigen Diagnose und somit in der Abgrenzung zu anderen Krankheiten und Ursachen. Daher sind hier umfangreiche Untersuchungen durch diesbezüglich erfahrene Tierärzte (siehe unten) unabdingbar.

Als Orientierung sind im Beitrag Blutuntersuchung und Hinweise zur den Werten die wichtigsten zu untersuchenden Parameter zusammengestellt.

Leider haben die wenigsten der allgemein praktizierenden Tierärzte ausreichend Erfahrungen sammeln können, um eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion als Ursache von Verhaltensproblemen in Betracht zu ziehen bzw. eindeutig richtig zu diagnostizieren. Im Verdachtsfall empfiehlt sich also unbedingt einen Arzt aus der Ärzteliste heranzuziehen.

Neuerdings wird häufig die Sonographie zur Diagnose herangezogen. Diese, sowie der TSH- und TRH-Stimulationstest, sind nicht unbedingt geeignet eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion festzustellen.

Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion

Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion erfolgt mit der Zufuhr der fehlenden Schilddrüsenhormone.

Meist reicht es völlig aus T4 zu substituieren. Hierzu werden die Hormone in Form von Tabletten idealerweise zweimal täglich zugeführt.

Nur in seltenen Fällen ist auch die Gabe von T3 erforderlich. Allerdings ist die T3-Substitution auch bei den verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierärzte (sowie in der Humanmedizin) nicht unumstritten. Da T3 ein sehr wirksames Hormon ist, stellt eine T3-Substitution einen sehr viel stärkeren Eingriff in das Hormongefüge des Hundes dar, als eine T4-Substitution.

Meist zeigen sich innerhalb kurzer Zeit nach der Beginn der Substitution die ersten deutlichen Verhaltensänderungen.

Nähere Informationen finden sich in Leben mit einem Schildi.

Weitere Informationen

Weitere Informationen im Internet sind in der Linkliste zusammengestellt.

[hr]
Ergänzungen und Hinweise bitte als neues Thema im Diskussionsbereich einstellen oder hier fortführen Diskussion zum Artikel „(Subklinische) primäre Schilddrüsenunterfunktion“

Gruß Bea

Urheber: Beate Zimmermann & http://www.yorkie-rg.net

_________________
Manchmal denke ich, es ist Hauptaufgabe der Hunde, uns Menschen bescheiden zu halten. [Patricia B. McConnell]
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Zuletzt geändert von BeaSin am Fr 30. Dez 2011, 14:11, insgesamt 4-mal geändert.

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